Die Spitzenkandidatin von den freien Demokraten ist verheiratet, hat zwei Kinder, ist Römisch-katholisch hat Neuere Geschichte, Politikwissenschaften und Publizistik studiert und hat eine Promotion zum Dr. phil. – Seit 2021 ist sie Ministerin für Infrastruktur und Digitales des Landes Sachsen-Anhalt.
Wenn Sie gewählt werden: Wie sieht Sachsen-Anhalt dann in fünf Jahren aus?
In fünf Jahren soll Sachsen-Anhalt ein Land sein, in dem Leistung sich lohnt, Bildung Aufstieg ermöglicht und Unternehmen wieder stärker investieren. Mit guten Arbeitsplätzen, moderner Infrastruktur, bezahlbarer Energie, deutlich weniger Bürokratie und mehr digitalem Service wollen wir den Menschen mehr Freiräume eröffnen und ihnen weniger Steine in den Weg legen. Kurz: ein wirtschaftlich stärkeres, moderneres und lebenswerteres Sachsen-Anhalt.
Welches sind die drängendsten Herausforderungen im Land?
Die größten Herausforderungen sind eine schwächelnde Wirtschaft, der Fachkräftemangel und die Frage, wie wir auch künftig Wohlstand und gute Lebensbedingungen sichern. Deshalb setzen wir auf eine starke Wirtschaft, beste Bildung und eine moderne Infrastruktur. Gleichzeitig muss sich Arbeit wieder mehr lohnen als Nichtstun. Wer zu uns kommt und dauerhaft hier leben will, muss möglichst schnell in Arbeit kommen. Wir wollen Leistung belohnen. Der Staat muss den Menschen dringend mehr von ihrem erarbeiteten Einkommen lassen und Steuern senken.
Welche drei konkreten Verbesserungen für die Menschen im Land würden Sie als erstes umsetzen?
Erstens wollen wir viel stärker Bürokratie abbauen und Verwaltungsleistungen konsequent digitalisieren, damit Bürger und Unternehmen weniger Zeit mit Anträgen und mehr Zeit für das Wesentliche haben. Zweitens würden wir Bildung stärken, von der Sprachförderung in der Kita bis zu modernen Schulen und der Bündelung aller Zuständigkeiten für Bildung in einem Ministerium. Drittens würden wir dafür sorgen, dass sich Arbeit wieder mehr lohnt: durch steuerliche Entlastungen, bessere Bedingungen für Unternehmen und mehr Chancen für Fachkräfte.
Wie wollen Sie die Wirtschaft im Land konkret ankurbeln und es attraktiv für Investoren machen?
Wir wollen einen deutlichen Bürokratie-Schnitt. Alle Regeln sollen auf den Prüfstand. Verordnungen und Erlasse, die bis 2027 nicht erneut begründet wurden, sollen Ende 2027 wegfallen. Zudem wollen wir auch ein neues Prinzip: Regeln bekommen ein Ablaufdatum. Vorschriften müssen ihre Notwendigkeit beweisen, sonst treten sie außer Kraft. Wer investieren will, braucht Verlässlichkeit, Tempo und bezahlbare Energie. Genau dafür wollen wir sorgen.
Welche Maßnahmen planen Sie, um den Lehrermangel abzumildern?
Den Lehrermangel werden wir nicht mit einer einzelnen Maßnahme lösen. Deshalb setzen wir auf mehrere Hebel gleichzeitig: Wir wollen Lehrkräfte von bürokratischen Aufgaben entlasten, digitale Möglichkeiten besser nutzen und weiterhin Seiteneinsteiger qualifizieren. Schulverwaltungs- und Digitalassistenten sorgen bereits heute dafür, dass sich Lehrerinnen und Lehrer wieder stärker auf den Unterricht konzentrieren können. Gleichzeitig müssen wir den Lehrerberuf attraktiver machen und mehr junge Menschen für ein Lehramtsstudium gewinnen. Man muss aber auch ehrlich sagen: Der Lehrermangel wird uns noch einige Jahre begleiten. Deshalb kommt es darauf an, die vorhandenen Ressourcen so klug wie möglich einzusetzen.
Mit welchen konkreten Verbesserungen gewinnt Ihre Regierung Fachkräfte und hält junge Menschen hier im Land?
Fachkräfte bleiben dort, wo sie gute Jobs, Aufstiegschancen und attraktive Lebensbedingungen vorfinden. Wir wollen durch Ansiedlungen mehr gute Arbeitsplätze schaffen, Wohneigentum fördern und die Digitalisierung weiter voranbringen. Gleichzeitig müssen internationale Fachkräfte schneller in Arbeit kommen und ihre Abschlüsse einfacher anerkannt werden. Junge Menschen sollen hier gute Jobs finden, sich etwas aufbauen können und nicht das Gefühl haben, für ihre Zukunft das Land verlassen zu müssen.
Wie machen Sie konkret das Leben auf dem Land attraktiver, verhindern Geschäfte- und Gastrosterben und Stadtflucht?
Wir machen das Leben auf dem Land attraktiver mit guter Infrastruktur, schnellem Internet, verlässlicher Mobilität und einer wohnortnahen Gesundheitsversorgung. Wer im ländlichen Raum lebt, darf bei der Digitalisierung oder beim Zugang zu Dienstleistungen keine Nachteile haben. Gleichzeitig wollen wir Bürokratie abbauen und mehr Freiräume für lokale Unternehmer schaffen. Vollautomatisierte Dorfläden mit Öffnung rund um die Uhr, die es dank einer Gesetzesänderung inzwischen immer häufiger in Sachsen-Anhalt gibt, aber auch bessere Bedingungen für Gastronomie und Handwerk helfen dabei, Versorgung und Arbeitsplätze vor Ort zu sichern.
Was sind ihrer Meinung nach die Stärken von Sachsen-Anhalt und wie wollen Sie sie nutzen?
Sachsen-Anhalt hat deutlich mehr Stärken, als oft wahrgenommen wird. Wir haben eine zentrale Lage in Deutschland, starke Industriestandorte, exzellente Hochschulen und Forschungseinrichtungen, viel Platz für Investitionen und engagierte Menschen, die anpacken. Dazu kommen vergleichsweise bezahlbarer Wohnraum und eine hohe Lebensqualität. Unsere Aufgabe ist es, diese Potenziale konsequent zu nutzen: mit einer starken Wirtschaft, moderner Infrastruktur, schneller Digitalisierung und weniger Bürokratie. So können wir neue Unternehmen, Fachkräfte und Investitionen ins Land holen und gleichzeitig das Leben für die Menschen hier noch attraktiver machen.
Wie wollen sie das Vertrauen in die Politik stärken und die Politikverdrossenheit aufhalten?
Politikverdrossenheit entsteht oft dann, wenn Ankündigungen nicht eingehalten werden und Probleme ungelöst bleiben. Deshalb kommt es darauf an, mehr und schneller Dinge umzusetzen. Die Menschen müssen erleben, dass der Staat funktioniert und verlässlich handelt. Das gilt für Schulen, Straßen, Digitalisierung und Sicherheit genauso wie für die Migration. Wer Regeln aufstellt, muss sie auch durchsetzen. Gute Bildung, eine starke Wirtschaft und ein handlungsfähiger Staat sind die Grundlage dafür, Vertrauen zurückzugewinnen. Bei der Migration heißt das: Chancen für diejenigen, die arbeiten, sich integrieren und unsere Werte respektieren. Gleichzeitig gilt: Wer kein Bleiberecht hat, muss unser Land wieder verlassen.
Wie wollen Sie Bürgerinnen und Bürger aktiv nach der Wahl in Entscheidungen einbinden?
Bürgerinnen und Bürger erwarten zu Recht, dass Politik zuhört und Ergebnisse liefert. Wer schnell eine Genehmigung bekommt, wer eine funktionierende Schule vorfindet oder merkt, dass der Staat bei Sicherheit und Migration handlungsfähig ist, gewinnt Vertrauen in die Demokratie. Wir wollen junge Menschen früher an politischen Entscheidungen beteiligen und setzen uns deshalb für das Wahlrecht ab 16 bei Landtagswahlen ein. Gleichzeitig wollen wir staatliches Handeln transparenter machen. Entscheidungen müssen nachvollziehbar sein und die Menschen müssen sehen können, was aus ihren Anliegen geworden ist.