Landtagswahl 2026 in Sachsen-Anhalt

Eva von Angern (Die Linke)

Die Spitzenkandidatin von der Linken wurde 1976 in Magdeburg geboren, ist verheiratet, hat drei Kinder und ist Rechtsanwältin.

Eva von Angern
Foto: Olaf Krostitz

Wenn Sie gewählt werden: Wie sieht Sachsen-Anhalt dann in fünf Jahren aus?

Wir wollen ein Land, in dem keiner in Armut leben muss, vor allem kein Kind und kein Rentner. Die Linke will ein Sachsen-Anhalt, in dem das Leben für alle Menschen wieder bezahlbar für alle ist. Dazu brauchen wir eine Politik, die Menschen entlastet – bei den Preisen im Supermarkt, an der Tankstelle und bei der Miete. Stellen wir uns ein Sachsen-Anhalt vor, in dem niemand Angst haben muss, bei Krankheit nicht ausreichend versorgt zu werden, weil es überall erreichbare Gesundheitsversorgung gibt. Ein Land, in dem Kitas und Schulen sowie das Mittagessen der Kinder kostenfrei ist. Sachsen-Anhalt darf nicht weiter als Billiglohnland gelten – wir wollen höhere Löhne und bessere Renten!

Welches sind die drängendsten Herausforderungen im Land?

Die Sozial- und Wirtschaftspolitik muss sich verbessern und nicht gegeneinander ausgespielt werden. Keine Kürzungen bei den Ärmsten und Sicherheit für die Beschäftigten in den Betrieben, das sind unsere Ziele. Sachsen-Anhalt steht vor einem großen demografischen Wandel. Wir brauchen ein Land, in dem alle Menschen gut und gerne leben, denn diese brauchen wir, um unsere Wirtschaft am Laufen zu halten. Die Landesregierung kürzt die Mittel bei denen, die eh schon kaum etwas haben. Das ist eine Abwärtsspirale, die wir mit guter Sozial- und Wirtschaftspolitik durchbrechen wollen.

Welche drei konkreten Verbesserungen für die Menschen im Land würden Sie als erstes umsetzen?

Als erstes würden wir die Schließungen der kleinen Kitas und Schulen durch einen besseren Personalschlüssel im Land komplett stoppen. Wer Kitas und Schulen dicht macht, spart am falschen Ende. Zweitens müssen wir die Energiepreise senken und damit die Wirtschaft vor dem Zerfall retten, zum Beispiel den Chemie-Park Leuna. Als Drittes brauchen wir mehr Ärzte und medizinische Versorgungszentren im Land, nicht nur in den Großstädten, sondern überall.

Wie wollen Sie die Wirtschaft im Land konkret ankurbeln und es attraktiv für Investoren machen?

Das Rückgrat der Wirtschaft im Land sind die kleinen und mittleren Unternehmen. Diese wollen wir stärken, mit Fördermitteln für Digitalisierung und Modernisierung, verlässlicher Infrastruktur, Ausbildung qualifizierter Fachkräfte und Entbürokratisierung. Die Landesregierung hat zu oft auf Großprojekte gesetzt und den eigentlichen Fokus aus dem Blick verloren. Hohe Energie- und somit Produktionspreise führen zu Stillstand und Abhängigkeit von einzelnen Konzernen. Das ist eine Einbahnstraße, wir wollen eine aktive Industriepolitik für Sachsen-Anhalt mit Fokus auf regionaler Wertschöpfung.

Welche Maßnahmen planen Sie, um den Lehrermangel abzumildern?

Die CDU hat den Lehrermangel erst verursacht. Um ihn einzudämmen, brauchen wir schnell den Ausbau der Lehramtsstudiengänge an den Universitäten in Magdeburg und Halle. Die Lehrkräfte sollten von administrativen Aufgaben entlastet werden, um mehr Zeit für den Unterricht zu haben. Dafür brauchen wir mehr pädagogische Mitarbeiter und Schulverwaltungsassistenzen im Land. Die Seiteneinsteiger unter den Lehrkräften müssen besser geschult werden. Wir wollen eine Reform des Schulsystems und die Einführung einer erweiterten Gemeinschaftsschule, damit Schüler auch hier eine Fachhochschulreife abschließen können. Wir wollen mehr Schulsozialarbeit, berufspraktischen Unterricht und mehr Praxislerntage in den Betrieben, damit junge Menschen den Übergang in die Ausbildung besser erreichen und Unterrichtsausfall minimiert wird.

Mit welchen konkreten Verbesserungen gewinnt Ihre Regierung Fachkräfte und hält junge Menschen hier im Land?

Sachsen-Anhalt ist das Land mit der höchsten Schulabbrecher-Quote. Das müssen wir zuerst angehen, damit wir die Kinder, die in Sachsen-Anhalt zur Welt kommen, gut ausbilden und nicht zurücklassen. Wer sich als Familie in Sachsen-Anhalt wohlfühlt, mit guter Infrastruktur auf dem Land und bezahlbaren Mieten in der Stadt, der bleibt auch hier. Der Fachkräftemangel ist so groß, dass wir ihn nur mit besserer Arbeitsmigration erfolgreich beheben. Wir wollen eine schnellere Anerkennung von Berufsabschlüssen sowie Förderprogramme für Betriebe, die migrantische Fachkräfte einstellen und weiterqualifizieren.

Wie machen Sie konkret das Leben auf dem Land attraktiver, verhindern Geschäfte- und Gastrosterben und Stadtflucht?

Die Linke kämpft um mehr Orte der Begegnung und des Austausches, für mehr ÖPNV auf dem Land und eine vernünftige Verkehrsanbindung. Der Hauptteil der Menschen im Land lebt außerhalb der Städte. Deshalb muss hier die Infrastruktur ausgebaut werden: Kitas, Kneipen, Kliniken und gute Arbeitsplätze. Dafür stehen wir. Immer mehr Menschen im Land fühlen sich einsam, dagegen helfen mehr Kulturangebote und Bibliotheken – gerade auch in den kleineren Städten. Wenn jede Gemeinde ein Dorfzentrum hat, können dort auch mehr Beratungen und medizinische Versorgung angeboten werden.

Was sind ihrer Meinung nach die Stärken von Sachsen-Anhalt und wie wollen Sie sie nutzen?

Sachsen-Anhalt hat 2,1 Millionen Chancen und das sind die Menschen in diesem Land. Wer Profite und Gewinne über alles stellt, der wird verlieren. Hinter jeder politischen Entscheidung stehen Menschen, die unmittelbar betroffen sind, wenn Kliniken oder Kitas schließen. Sachsen-Anhalt hat Menschen, die jeden Tag das Rad am Laufen halten. Deshalb müssen wir die Interessen der Menschen in diesem Land wieder an erste Stelle stellen. Dann wird Sachsen-Anhalt aufblühen.

Wie wollen sie das Vertrauen in die Politik stärken und die Politikverdrossenheit aufhalten?

Die Politik der Landesregierung muss wieder spürbarer werden: Mehr Bürgerdialoge in den Kommunen; eine bessere Kommunikation der Verwaltung, die auf Vertrauen statt Misstrauen basiert; mehr Transparenz bei Gesetzesvorhaben – das sind unsere Ziele. Eine starke Demokratie hat keine Angst vor kritischen Fragen. Damit Demokratie lebt, brauchen wir mehr Beteiligungsformate für jung und alt, lebendige Dorfgemeinschaftszentren und mehr Demokratieförderung. Wer hier kürzt, stärkt die Politikverdrossenheit.

Wie wollen Sie Bürgerinnen und Bürger aktiv nach der Wahl in Entscheidungen einbinden?

Wir wollen mehr Bürgerbeteiligung – zum Beispiel durch regionale Foren, Bürgerräte sowie kommunale Bürgerhaushalte, mit denen die Menschen vor Ort befähigt werden, das Geld dorthin zu geben, wo sie es für richtig halten. Durch Beteiligungsteams aus Verwaltung, Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft soll ein lernendes System entstehen, damit Verwaltungsprozesse praxisorientierter werden. Als Linke stehen wir für starke Ortschafts-, Gemeinde und Stadträte.

Die Spitzenkandidaten der Parteien im Radio Brocken Interview:

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