21. Oktober 2026 – Radio Brocken
Halskratzen am Morgen gilt als erstes Erkältungszeichen. Lässt sich die Erkältung durch Vitamin C, Ingwer-Shots & Co. noch stoppen?
Ein trockenes, kratziges Gefühl im Hals am Morgen – für viele der erste Hinweis auf eine Erkältung. Laut Markus Tullius, Chefarzt und Allgemeinmediziner an der Helios Klinik Wipperfürth, lässt sich der Infekt zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht mehr abwenden. Die Ansteckung selbst liegt dann bereits einige Zeit zurück.
Warum erste Symptome zu spät kommen
Zwischen dem Kontakt mit Atemwegsviren und den ersten Beschwerden vergehen laut Tullius oft rund 48 Stunden. Was wir dann spüren, sind nicht die Viren selbst, sondern die Reaktion des Immunsystems auf eine bereits hohe Virenlast in den Schleimhäuten. „Ein ganz klares Nein“, sagt der Mediziner zur Frage, ob sich die Erkältung in diesem Stadium noch stoppen lässt.
Ingwershot, heißer Tee oder ein warmes Bad können die Erkältung deshalb nicht verhindern. Tullius sieht in solchen Ritualen trotzdem einen Nutzen: Sie geben Betroffenen das Gefühl, dem Kontrollverlust aktiv etwas entgegensetzen zu können.
Was bringen Vitamin C und Zink wirklich?
Dass Vitamin-C- oder Zinkpräparate Erkältungen verhindern können, ist wissenschaftlich nicht belegt. Laut dem Portal „gesundheitsinformation.de“ kann die regelmäßige Einnahme von Vitamin C die Dauer der Beschwerden aber leicht verkürzen. Wird Vitamin C erst bei Beginn der Erkältung eingenommen, zeigt sich kein Effekt mehr.
Auch Zinktabletten können Studien zufolge die Symptomdauer etwas verkürzen. Das Forschungsnetzwerk Cochrane bewertet diese Ergebnisse jedoch als unsicher. Zudem kann Zink Nebenwirkungen wie Geschmacksstörungen oder Magenbeschwerden verursachen.
Kombi-Medikamente: Schnelle Hilfe mit Risiko
Wer trotz Erkältung funktionieren muss, greift oft zu Kombipräparaten mit Paracetamol, Ibuprofen oder ASS sowie dem abschwellenden Wirkstoff Pseudoephedrin. Laut Tullius wirken diese Mittel effektiv, können aber dazu führen, dass man sich abends kränker fühlt als zuvor. Zudem berge Pseudoephedrin das Risiko, dass sich der Infekt verzögert, so der Mediziner.
Wer zusätzlich eine Schmerztablette einnimmt, überschreitet laut Tullius womöglich unbemerkt die empfohlene Tagesdosis, da viele Kombipräparate bereits schmerzstillende Wirkstoffe enthalten.
Mediziner bezeichnen Erkältungen als selbstlimitierend: Der Körper wird mit den Erregern von selbst fertig, wenn man ihm Zeit dafür gibt. Tullius fasst es so zusammen: „Drei Tage kommt die Erkältung, drei Tage bleibt sie, drei Tage geht sie."