13. Juli 2026 – Radio Brocken
Die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt hat "Vitaminwasser" unter die Lupe genommen.
In 20 Fällen trugen die Getränke Bezeichnungen wie „Vitamin Water“ oder „Wasser +“, obwohl die rechtlich korrekte Verkehrsbezeichnung „Erfrischungsgetränk“ lautet. Besonders kritisch wirkt dabei die Aufmachung mancher Produkte: Vier Getränke wurden in typischen Mineralwasserflaschen angeboten, obwohl es sich nicht um Wasser, sondern um aromatisierte Erfrischungsgetränke handelt. Damit, so die Einschätzung der Verbraucherzentrale, wird gezielt das positive Image von Mineralwasser genutzt.
Viele Vitamine, wenig zusätzlicher Nutzen
Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung betrifft die zugesetzten Nährstoffe. Besonders häufig fanden sich Pantothensäure, Niacin, Vitamin B6 und Biotin. Bei zwölf Produkten überschritt bereits eine Flasche die empfohlene Tageszufuhr einzelner Vitamine um das Ein- bis nahezu Dreifache. Ein erkennbarer gesundheitlicher Mehrwert ist daraus jedoch nicht abzuleiten. Denn wasserlösliche Vitamine, die der Körper nicht benötigt, werden größtenteils wieder ausgeschieden. Für die allgemeine Vitaminversorgung reicht nach Angaben der Verbraucherzentrale in der Regel eine abwechslungsreiche Ernährung aus. Das relativiert das Versprechen, mit einem Getränk automatisch etwas besonders Sinnvolles für den Körper zu tun.
Wenn „ein Zuviel“ zum Problem werden kann
Hinzu kommt, dass 24 der 35 untersuchten Produkte die Höchstmengenempfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung für angereicherte Lebensmittel überschritten. Besonders betroffen waren Vitamin B6 und Folsäure. Sechs Getränke enthielten zudem Vitamin D, obwohl das zugrunde liegende Anreicherungskonzept dies nicht vorsieht. Zwar sieht die Verbraucherzentrale darin keine akute Gesundheitsgefahr. Problematisch wird es aber im Gesamtbild: Vitamine stammen oft nicht nur aus solchen Getränken, sondern auch aus weiteren angereicherten Lebensmitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln. So kann die tatsächliche Aufnahme deutlich höher liegen als gedacht. Die Empfehlungen des BfR sind zwar rechtlich nicht bindend, gelten aber als wissenschaftlich fundierte Orientierungswerte zum Verbraucherschutz.
Besser trinken, sinnvoller versorgen
Besonders kritisch bewertet die Verbraucherzentrale den Zusatz fettlöslicher Vitamine wie D oder E, die in 13 Produkten nachgewiesen wurden. Solche Vitamine werden nur zusammen mit Nahrungsfetten gut aufgenommen, ihre Wirkung hängt also stark vom individuellen Essverhalten ab. Bei Vitamin E kommt hinzu, dass es im Körper gespeichert wird. Sechs von 13 Produkten mit Vitamin-E-Zusatz überschritten bereits den Tagesbedarf. Wer zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel einnimmt, erhöht damit das Risiko einer Überversorgung. Die Empfehlung fällt deshalb klar aus: Vitaminisierte Erfrischungsgetränke sind nicht empfehlenswert. Als bessere Durstlöscher gelten Leitungs- oder Mineralwasser, ungesüßte Tees oder Saftschorlen. Für die Vitaminversorgung bleibt eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung mit möglichst unverarbeiteten Produkten die überzeugendere Wahl.
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