Zielitz

Papa mit 75 Jahren: Der Zoochef und das Äffchen

Michael Schröpel ist der ehemalige Chef vom Magdeburger Zoo. Im Herbst letzten Jahres hat er im Alter von 75 ungeplant Familienzuwachs bekommen.

Das kleine Springtamarinäffchen Japurá hat früh seine Mutter verloren und wächst nun bei einem Spezialisten für Krallaffen auf. Sachsen-Anhalt Reporter hat das außergewöhnliche Gespann in Zielitz bei Magdeburg besucht.

Wie ein richtiges Baby


Japurás Mutter ist nur zwei Wochen nach der Geburt verstorben. Michael Schröpel kann sich noch genau an den Moment erinnern, als er das 100g leichte Baby vom Körper seiner Mutter trennen musste und an sich genommen hat. Obwohl er auf Krallaffen spezialisiert ist und bereits 20 Tiere dieser Art aufgezogen hat, ist anfangs immer ungewiss, ob ein kleiner Zögling die Ersatznahrung annimmt und die Aufzucht durch einen Menschen gelingt. Japurá gewöhnte sich glücklicherweise schnell an ihren neuen Papa, trank die Milch und wiegt inzwischen stolze 270g. Auch wenn das kleine Affenkind kein menschliches Baby ist, ist die Aufzucht recht zeitintensiv und nicht weniger anspruchsvoll. Japurá braucht so viel Zuneigung und Kontakt wie ein menschliches Baby und wollte anfangs alle zwei Stunden ein Fläschchen.

Der Frechdachs hält Michael auf Trab

Inzwischen ist aus dem hilflosen Baby ein aufgewecktes, verspieltes Affenkind geworden, das seinen Ersatzpapa nicht mehr aus den Augen lässt. Anstatt Milch bekommt sie nun neben frischem Obst auch milde Käsesorten. Mortadella hat es ihr besonders angetan. Doch das ist dem neugierigen Baby scheinbar nicht genug – die kleine Japurá interessiert viel mehr, was sich auf Papas Teller abspielt. Sie versucht regelmäßig, ihm etwas abzuluchsen. Um ungestört zu baden oder ein Brot schmieren zu können, sperrt Michael das Affenkind manchmal ein. Die Kleine hat eben ihren eigenen Kopf und hört nicht aufs Wort, bei Schimpfereien erschrickt sie höchstens.

Kleines Klammeräffchen

Ganz typisch für kleine Affenkinder hat auch Japurá einen ausgeprägten Drang, sich festzuklammern. Da Michael ganz in seiner Rolle als Ersatzpapa aufgeht, hat er vorsorglich einige Waschlappen zusammengeleimt und über seinen Arm gestülpt, damit Japurá sich richtig gut festklammern kann. Das kleine Klammeräffchen sucht Michaels Nähe. Wenn Fremde in der Nähe sind, klammert sie sich fester an seinen Arm und nachts schläft sie eingekuschelt an seinem Hals ein.

Ein Äffchen im Alltag

Michaels Ersatzpapa-Dasein ist auf jeden Fall eine Vollzeitbeschäftigung. Affen werden leider nicht stubenrein und Japurá ist zu klein für eine Windel, also findet Michael hin und wieder kleine Häufchen und Pfützen. Doch der Affenexperte sieht das gelassen. Japurá ist verglichen mit anderen Arten recht klein - und so sind auch ihre Hinterlassenschaften. Auch beim Einkaufen weicht Japurá nicht von Michaels Seite, das außergewöhnliche Gespann ist inzwischen schon ganz bekannt in der Gegend und wird regelmäßig bestaunt.

Abschied trotz starker Bindung

Auch wenn Michael und Japurá durch die gemeinsame Zeit stark zusammengewachsen sind, muss Japurá früher oder später zurück zu ihren Artgenossen in den Zoo, um das Affenleben in vollen Zügen genießen zu können. Momentan hat sich der Zoo noch nicht gemeldet und Japurá bleibt zunächst noch bei Michael. Wenn ihr Umzug in den Zoo ansteht, ist es besonders wichtig, dass sie ganz langsam an die neue Umgebung gewöhnt wird und sich nach und nach auf ihr neues Leben vorbereiten kann. Der Abschied wird nicht nur für Michael schwer, auch das Affenkind hat sich sehr an ihren neuen Papa gewöhnt.

Sachsen-Anhalt Reporter

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