Mansfeld-Südharz

Notzeit im Wald: Gefahr für Wildtiere

Im Normalfall werden die heimischen Wildtiere im Wald nicht gefüttert, um das natürliche Gleichgewicht nicht zu stören. Durch den Wintereinbruch in den letzten Tagen hat sich dies nun geändert.

Rehe stehen auf einer mit Schnee bedeckten Wiese.
Rehe stehen auf einer mit Schnee bedeckten Wiese. , Foto: Thomas Warnack/dpa/Archivbild

Die Jagdbehörde des Landkreises Mansfeld-Südharz hat das erste Mal seit Jahren wieder Notzeit für die Wildtiere ausgerufen. Sachsen-Anhalt Reporter Dennis Schubert hat mit Steffen Engelmann, dem Vorsitzenden der Jägerschaft Sangerhausen e.V. gesprochen.

Steffen Engelmann
Steffen Engelmann

Wildtiere: Wenn der Schnee zum Problem wird

Die Kälte an sich kann den Wildtieren meistens nichts anhaben. Sie haben Winterspeck, um die kalte Jahreszeit sicher zu überstehen. Problematischer wird allerdings der verkrustete harte Schnee, der gerade bei Rehwild zu Verletzungen an den empfindlichen, dünnen Läufen führen kann. Aber die Schneedecke ist nicht nur gefährlich, sie hat auch das natürliche Futter unter sich begraben und macht es den Wildtieren so unmöglich, die Kälteperiode zu überstehen. Wildtiere befinden sich im Winter in einer Art Ruhe- und Energiesparmodus – jede unnötige Bewegung kostet Kraft und jeder Versuch, durch die Schneedecke an Futter zu gelangen, kann schnell gefährlich werden. Gerade Jungtiere sind zusätzlich geschwächt. Steffen Engelmann, der Vorsitzende der Jägerschaft Sangerhausen e. V., vermutet, dass gerade Wildschweine durch den Klimawandel recht spät Frischlinge bekommen, die dann während harter Winter noch nicht stark genug sind, um den Temperaturen Stand zu halten.

Der Jäger als Heger

Auch wenn das gesellschaftliche Bild der Jäger häufig ein anderes ist, sind Jäger hauptsächlich damit betraut, den Forst und das Wild zu hegen und zu pflegen. Laut Jagdgesetz sind sie sogar verpflichtet, die Lebensgrundlage des Wildes zu erhalten und so den Artenbestand zu sichern. Dazu gehört auch, die Wildtiere in Kältezeiten, wie diesen, zu schützen und mit Nahrung zu versorgen. Die Revierinhaber sind derzeit verpflichtet, Futterstellen für die Wildtiere zu errichten und diese regelmäßig mit artgerechtem Futter zu versorgen. Dies ist gerade in Fichtenwäldern notwendig, Waldreviere mit starkem Unterwuchs aus Brombeerhecken bieten auch jetzt noch ausreichend Nahrung.

Wildtiere füttern, aber richtig

Das Vorgehen bei der Wildtierfütterung muss schnell erfolgen und ist relativ strikt geregelt. Es ist nicht damit getan, einfach Obst in den Wald zu werfen. Die Flächen und Wege werden zunächst mit einem Schlepper und einer Schaufel geräumt, dann wird Silage abgeworfen und die Futterstellen werden bestückt. Der Speiseplan der Wildtiere ist strikt geregelt und es darf nur speziell zugelassenes Futter gefüttert werden. Dazu gehört neben Silage auch Heu, heimische Baumfrüchte wie Nüsse, Äpfel oder Kirschen, aber auch Kartoffeln und Rüben kommen beim Wild gut an. Getränke brauchen die Wildtiere aber tatsächlich nicht, sie bedienen sich gerne am gefrorenen Schnee. Wenn man den Wildtieren etwas Gutes tun möchte, sollte man immer den zuständigen Jäger oder Revierinhaber kontaktieren, und sich erkundigen, ob überhaupt Futterspenden gebraucht werden. Alleingänge beim Füttern von Wildtieren sind tabu!

Wildtierschutz – weniger ist mehr!

Manchmal ist die größte Hilfe allerdings, so wenig wie möglich zu tun. Die Wildtiere haben ein Schutzbedürfnis und fürchten sich vor Besuchern im Wald. Eine Flucht vor einem Menschen oder gar einem Hund kann für ein eh schon geschwächtes Tier sehr anstrengend und gefährlich werden. Man fährt in diesen Tagen in jedem Falle besser, wenn man den Waldspaziergang nur auf den Hauptwegen und mit angeleinten Hunden durchführt. Auch Ski-Ausflüge auf die Felder können Tiere erschrecken.

Sachsen-Anhalt Reporter

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