Sangerhausen

Luftschutzbunker Sangerhausen

Geschichtsverein restauriert den Bunker für die Nachwelt.

„Schnell raus hier“, meint unser Sachsen-Anhalt Reporter Dennis Schubert, als er die weiß eingesponnen Eier zahlreicher Spinnen entdeckt, die durch die niedrige, gewölbte Decke beinahe seinen Kopf berühren. Die kleinen Krabbeltiere waren wohl die geringste Sorge der Menschen, die in einem Bunker unter Sangerhausen während des Zweiten Weltkrieges Schutz suchten.

 

Von außen unscheinbar: zwei rostige Eisenklappen, schräg eingelassen auf einer Wiese, entpuppen sich als Eingang zu dem knapp 70 Meter langen und mehrfach verzweigten Tunnel. Beim Öffnen der schweren Tür sind Helmut Loth und Günther Wagner vom Geschichtsverein Sangerhausen inzwischen Profis. Unser Reporter wirft einen ersten Blick hinein.

Schutz vor Bomben
17.11.2020
Schutz vor Bomben
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Das verbirgt sich im Innern

Von der einstigen Ausstattung ist heute kaum noch etwas übrig. Wir erleben einen schmalen Gang, umgeben von grauen Betonwänden und Dunkelheit. Aus einigen Trümmern lassen sich noch Atemschutzmasken und Ventilatoren für die Belüftung erkennen. Auch die Holzbänke sind heute abgesägt, Überreste sind nur noch in der Betonwand zu erkennen.

Ausstattung des Bunkers
17.11.2020
Ausstattung des Bunkers
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Mahnmal bald für die Öffentlichkeit

Viele Jahre blieb der Bunker ungenutzt, war längere Zeit Lager einer Malerfirma, und ist heute dank der Arbeit des Geschichtsvereins komplett leer und besenrein. Das kostete den Vereinsmitgliedern viel Schweiß. Dutzende Schubkarren mit Bauschutt mussten abtransportiert werden, um den Bunker für die Nachwelt wieder zugänglich zu machen.

Das sei auch im Hinblick auf die aktuelle, gesellschaftliche Entwicklung notwendig. Mehrere Stunden mussten die Einwohner hier ausharren, während Fliegerbomben drohten, die Stadt zu zerstören. „Keiner wusste, wenn er hier reinging, wie lange muss ich hier drin bleiben und natürlich die bange Sorge […]: Werden wir es überleben? Wird uns was passieren?“, beschreibt Helmut Loth die damalige Situation. Dieses Gefühl solle nie wieder ein Mensch ertragen müssen.

Künftig soll das Mahnmal der Öffentlichkeit präsentiert werden. Der Verein plant für 2021 Führungen an Gedenktagen. Weitere Informationen finden Sie unter geschichtsverein-sangerhausen.de.

 

Fotos: Günther Wagner [05.11.2020]

Sachsen-Anhalt Reporter

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