Sachsen-Anhalt-Reporter

Hilfe auf vier Rädern - unterwegs mit dem Magdeburger Kältebus

Der Wintereinbruch hat tagelang ganz Sachsen-Anhalt in Atem gehalten. Gerade für Menschen, die wohnungs- oder obdachlos sind und unter prekären Bedingungen leben müssen, waren von den Temperaturen und dem Schnee extrem betroffen.

Der Magdeburger Kältebus ist seit Tagen unterwegs und spendet diesen Menschen Hoffnung und Wärme. Unser Sachsen-Anhalt Reporter Dennis hat mit Tilmann Kloss vom Verein "platz*machen" gesprochen.

Das Projekt Kältebus

Seit dem 23.01.21 fährt in Magdeburg jeden Samstag ein rotes Mobil durch die Straßen und versorgt Menschen ohne Obdach mit Kleidung, Nahrung, Hygieneartikeln oder Schlafsäcken. Ins Leben gerufen wurde die Aktion Kältebus von Leuten des Verein "platz*machen". Der Verein betreibt parallel zum Kältebus auch das ehemalige Café Central am Hasselbachplatz und stellt jeden Samstagnachmittag warmes Essen für Bedürftige zur Verfügung. Unterstützt wird der Verein und das Projekt Kältebus von der Bahnhofsmission und anderen Vereinen. Tilmann ist einer der Ehrenamtlichen des Vereins – seit seinem FSJ engagiert er sich sozial, sein Ungerechtigkeitsempfinden treibt ihn an.


Vertrauen fassen

Bereits im Dezember wurde die Idee getestet, mittlerweile wurden die Abläufe optimiert. Auch wenn das Angebot sich noch nicht überall herumgesprochen hat und oftmals skeptisch beäugt wird, kommt die Aktion langsam an. Dass auf Seiten der bedürftigen Menschen manchmal zunächst abgeblockt wird, ist ganz normal und verständlich. Im Gespräch mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern vom Kältebus fassen sie mit der Zeit Vertrauen, tauen auf und nehmen die Hilfe an. Neben wärmenden Sachspenden haben die Ehrenamtlichen für die Menschen ohne Obdach auch Informationen und Kontakte zu Sozialarbeitern und anderen Einrichtungen parat.


Ein strukturelles Problem

Auch wenn Tilmann vielen Menschen in den kalten Tagen mit dem Kältebus Wärme spendet, blickt er eher pessimistisch auf die Gesamtsituation. Die Arbeit des Kältebusses verhindert zwar schlimmeres, bekämpft in seinen Augen aber nur die Symptome einer strukturellen Problematik. Für Tilman ist die Armut, die durch die Pandemie noch verstärkt wird, ein gesellschaftspolitischer Missstand, der dazu führt, dass Menschen sich zurückziehen und das Vertrauen in staatliche Stellen verlieren.


Rückführung ins Leben

Wohnungslose Menschen einfach zurück ins Leben zu führen, gelingt häufig nicht. Ihnen fehlt das Vertrauen in staatliche Einrichtungen und Regelungen, wie ein Hundeverbot in manchen Unterkünften, stellen sie vor unlösbare Konflikte. Einige wählen am Ende des Tages die Straße, auch weil sie verlernt habe, ein Leben fernab der Straße zu organisieren.


Perspektive und Hoffnung

Tilmann und der Rest des Vereins "platz*machen" möchten das Problem daher bei der Wurzel packen. Mit Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung wollen sie auf den gesellschaftlichen Missstand aufmerksam machen und sich klar für Solidarität und Engagement positionieren. In Zusammenarbeit mit der Bahnhofsmission sollen zusätzlich noch Wärmehalte geschaffen werden, die Zuflucht bieten, wenn die Bahnhofsmission geschlossen hat. Doch das ist noch nicht alles – durch Lobbyarbeit soll längerfristig eine bessere finanzielle Versorgung Bedürftiger erreicht werden, um diese zu unterstützen und sie vor der Wohnungslosigkeit zu bewahren.


Sachsen-Anhalt Reporter

undefined
Radio Brocken
Audiothek