25. Oktober 2026 – dpa Nachrichten
Folgt auf Covenant die nächste Raketenproduktion in der Stadt? Das Unternehmen Falk Defence entwickelt ein Raketenartilleriesystem. Ob und wo es produziert werden könnte, ist noch offen.
Nach der Ansiedlung des US-Rüstungsunternehmens Covenant in Leipzig plant offenbar ein weiteres auf Raketen spezialisiertes Unternehmen, in der Messestadt zu wachsen. Das im vergangenen Jahr gegründete Düsseldorfer Rüstungs-Start-up Falk Defence hat im Frühjahr ein Büro in Leipzig eröffnet und sucht derzeit Personal für die Forschung und Entwicklung neuer Raketensysteme.
Auf seiner Website stellt Falk Defence nun auch seine Ziele vor: Demnach wolle man die Entwicklung von Raketenartillerie-Systemen der nächsten Generation vorantreiben. Diese sollen zu 100 Prozent in Europa gefertigt werden, heißt es weiter. Bislang sei Deutschland von Anbietern aus Drittländern abhängig. «Diese Lücke möchte Falk Defence schließen», erklärt das Unternehmen.
Ein neues Raketenartillerie-System solle «Europas Souveränität in einem zentralen Bereich der modernen Kriegsführung» wieder herstellen. Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur wollte sich das Unternehmen zunächst nicht zu seinen Plänen in Leipzig äußern.
Im sozialen Netzwerk Linkedin erklärte das Unternehmen, ein bedeutender europäischer Player für moderne Präzisionswaffensysteme werden zu wollen. Das in Entwicklung befindliche Raketensystem hört demnach auf den Namen «Siegfried SF1-100». Die gelenkte Artillerierakete soll eine Reichweite von rund 100 Kilometern haben und 70 Prozent günstiger zu produzieren sein als vergleichbare Systeme.
In Leipzig werden den Angaben nach Prototypen der Rakete entwickelt und getestet. Dafür sucht das Unternehmen unter anderem einen Software-Entwickler und einen Flight Test Engineer. Auch mögliche Abnehmer hat das Start-up bereits identifiziert: Die Ukraine sei ein potenzieller Markt, heißt es in einem Beitrag auf Linkedin. In Kiew haben Vertreter des Unternehmens demnach vergangene Woche an einer Konferenz der Deutsch-Ukrainischen Außenhandelskammer teilgenommen, bei der es um Verteidigungs- und Sicherheitsfragen ging.
Tatsächlich gibt es bislang kein derartiges in Europa gefertigtes Waffensystem, erklärt Martin Kurczyk, Vorsitzender des Mitteldeutschen Instituts für Sicherheitsindustrie (MISI), das an der Ansiedlung des Unternehmens beteiligt gewesen ist. Vergleichbare Systeme kämen bislang vor allem aus den USA. Daraus entstünden Abhängigkeiten bei der Lieferung und bei der Resilienz der Lieferkette.
Wo Falk Defence ein derartiges Waffensystem produzieren möchte, ist noch offen. Für den früheren Bundeswehr-Generalmajor Kurczyk ist klar: Die Region sei ein attraktiver Standort. Sachsen biete Fachwissen in der Metallverarbeitung, Thüringen in Optik und Sensorik, hinzu kämen verfügbare Fachkräfte und der Logistikvorteil des Flughafens Leipzig/Halle.
Erst in diesem Monat hat der US-Rüstungskonzern Covenant seine Produktionsstätte für weitreichende Marschflugkörper in Leipzig eröffnet. Im Norden der Stadt will das Unternehmen im kommenden Jahr beginnen, sein Waffensystem «Anthem» zu fertigen. Mehrere hundert Menschen sollen nach Unternehmensangaben in der Produktion arbeiten. Geplant sind 1.000 Stück des Waffensystems im ersten Jahr. Im zweiten Jahr werden 5.000 Stück angestrebt.
Leipzig werde der größte Standort des Unternehmens sein, neben Fabriken im texanischen Dallas und in Israel, sagte Firmenchef Michael Kaufman. Das Raketensystem Anthem ist für große Reichweiten und Präzisionsschläge tief im gegnerischen Gebiet konzipiert. In Leipzig werden die Flugkörper montiert. Die Bestückung mit Sprengstoff erfolgt nach Unternehmensangaben erst beim Kunden vor Ort.