24. Oktober 2026 – dpa Nachrichten
Urpferdchen, Riesenvögel und landlebende Krokodile: Eine Ausstellung in Halle zeigt bald Funde aus einer 45 Millionen Jahre alten Welt. Die Ausgrabungen wurden vor 100 Jahren im Geiseltal begonnen.
Mit einer Ausstellung erinnert das Geiseltalmuseum in Halle an den Beginn der systematischen Ausgrabungen von Wirbeltierfossilien im Geiseltal vor 100 Jahren. Unter dem Titel «Fossillagerstätte Geiseltal: 100 Jahre Forschung und Paläokunst» werden vom 6. bis 8. November ausgewählte Fossilien, historische Rekonstruktionszeichnungen und zeitgenössische Kunst gezeigt.
Perfekte Erhaltungszustände der Fossilien
«Die außergewöhnlichen Erhaltungszustände der Fossilien aus dem Geiseltal sind noch heute für Wissenschaftler aus aller Welt interessant», sagte der Kustos der geowissenschaftlichen Sammlungen und der Geiseltalsammlung, Roberto Rozzi. «Erhalten blieben nicht nur Skelette, sondern auch der Mageninhalt von Urpferden sowie Pigmentzellen in der Haut von Amphibien.» Die Geiseltalsammlung umfasst rund 50.000 wissenschaftlich dokumentierte Fossilien. Die Sammlung gilt als national wertvolles Kulturgut der Bundesrepublik Deutschland.
Einblicke in die Welt vor 45 Millionen Jahren
Die Ausstellung gibt Einblicke in ein subtropisches Ökosystem, das vor rund 45 Millionen Jahren im heutigen Mitteldeutschland existierte. Zu den herausragenden Funden aus dem Eozän zählen Überreste von Urpferdchen, landlebenden Krokodilen und flugunfähigen Riesenvögeln. Auch Pflanzenreste sind außergewöhnlich gut erhalten. Die Fossilien erlauben Rückschlüsse auf die damalige Tier- und Pflanzenwelt und machen die Lebensbedingungen in einer längst vergangenen Epoche nachvollziehbar.
Erstmals Graphic Novel über die urzeitliche Lebenswelt
Die Exponate werden durch Rekonstruktionszeichnungen aus unterschiedlichen Jahrzehnten ergänzt. Sie zeigen, wie sich die wissenschaftlichen Vorstellungen vom Aussehen der ausgestorbenen Tiere im Laufe der Zeit verändert haben. Hinzu kommt zeitgenössische Paläokunst, die wissenschaftliche Erkenntnisse mit künstlerischen Darstellungsformen verbindet.
Erstmals wird eine Graphic Novel über die urzeitliche Lebenswelt des Geiseltals der Öffentlichkeit vorgestellt. Damit wird die Geschichte des Geiseltals in einer bildnerisch erzählten Form vermittelt werden.
Die ersten systematischen paläontologischen Ausgrabungen im Geiseltal begannen im Frühjahr 1926 unter Ben Barnes (1903-1969). In den folgenden Jahrzehnten wurden in den Braunkohletagebauen südwestlich von Halle zahlreiche Fossilien geborgen. Sie dokumentieren eine Zeit, in der das Klima in der Region deutlich wärmer war als heute und subtropische Lebensräume existierten.