11. September 2026 – Radio Brocken

Exklusiv

Radio Brocken Interview: Sepp Müller, was nun?

Exklusivinterview bei Radio Brocken: CDU-Politiker Sepp Müller zur politischen Lage und seinem Ziel, Landesvorsitzender der CDU in Sachsen-Anhalt werden zu wollen.

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Sepp Müller ist Vorsitzender der Landesgruppe Sachsen-Anhalt in der Unions-Bundestagsfraktion. (Archivbild)

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat die politische Landschaft im Bundesland grundlegend verändert: Die AfD ist als stärkste Kraft aus der Wahl hervorgegangen und hat den Regierungsbildungsauftrag erhalten, während die CDU die schwerste Niederlage ihrer Geschichte seit der Wiedervereinigung hinnehmen musste. Inmitten dieser Zäsur bewirbt sich Sepp Müller, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, um den Landesvorsitz der CDU Sachsen-Anhalt. Im Interview spricht er über die Gründe für die Wahlniederlage, den Umgang mit der AfD, Kritik aus der eigenen Partei - und seine Pläne für einen Neuanfang.

Herr Müller, kurzer Rückblick auf die Landtagswahlen: Haben Sie mit einem derart deutlichen Wahlergebnis gerechnet?

Sepp Müller: In dieser Brutalität nicht. Bei den Wahlkampfständen, wo ich vor Ort war, sei es beispielsweise in Halle, in Weißenfels, im Harz, in der Börde, im Salzlandkreis, aber auch in Wittenberg, hat man schon gemerkt, dass wir viel an Glaubwürdigkeit verloren haben, und deswegen habe ich mit einem schlimmen Ergebnis gerechnet, aber nicht mit so einem schlimmen Ergebnis.

Wie bewerten Sie das Ergebnis für die CDU Sachsen-Anhalt?

Das ist eine verheerende Niederlage für uns als CDU Sachsen-Anhalt. Die größte Wahlniederlage, die wir seit der Wiedervereinigung eingefahren haben. Und jetzt gilt es, nach vorne zu schauen und die Partei und unsere Basis wieder aufzubauen und nach vorne zu schauen.

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Von seiner Partei gebe es keine Hilfe für die AfD in Sachsen-Anhalt, sagt CDU-Bundestagsabgeordneter Sepp Müller., Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Bundeskanzler Merz hat sich kritisch zu den Entwicklungen in Sachsen-Anhalt geäußert. Wie gehen Sie mit dieser Kritik um?

Sepp Müller: Ich sehe das sportlich, Kritik ist immer gut. Ich sehe es in der Sache komplett anders als der Bundeskanzler. Ich habe einen Riesenzuspruch aus der Mitgliedschaft, nicht nur aus Sachsen-Anhalt, sondern deutschlandweit, und ganz viele auch ehemalige Wähler, die gesagt haben: Es ist richtig, jetzt hier klare Kante zu zeigen. Ihr müsst wieder Glaubwürdigkeit zurückgewinnen, damit wir wieder einen Neuanfang hinbekommen.

Die AfD hat die Wahl gewonnen und den Regierungsbildungsauftrag erhalten. Wie positioniert sich die CDU dazu?

Sepp Müller: „Die AfD hat die Wahl gewonnen, die AfD hat den Regierungsbildungsauftrag. Für uns als CDU gilt: Wir werden hier weder mit der einen noch mit der anderen Seite zusammenarbeiten. Und die Antworten wie Abschaffung der Schulpflicht, wie die Einführung der Bürgerwehren, was sie jetzt als Bürgerwachten bezeichnen, oder die Aufkündigung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks - das ist ein anderer Staat, den möchte ich nicht, den möchten wir als CDU nicht. Aber dafür haben die Sachsen-Anhalter sich in der Mehrheit entschieden, und das akzeptiere ich. Wir werden als CDU Sachsen-Anhalt hier aber ein anderes Angebot an die Seite stellen.“

Gilt der Unvereinbarkeitsbeschluss gegenüber der AfD auch nach dieser Wahl uneingeschränkt weiter?

Sepp Müller: „Es gibt einen Grundsatzbeschluss seit 2018 unserer Partei, dieser gilt für mich: Keine Zusammenarbeit mit rechts, keine Zusammenarbeit mit links. Das gilt vor der Wahl, und das muss auch nach der Wahl gelten. Und wenn wir wieder Wahlen gewinnen wollen, dann sollten wir auch an unseren Grundsätzen und Prinzipien festhalten.“

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Sepp Müller will neuer CDU-Landeschef in Sachsen-Anhalt werden., Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Wofür soll die CDU Sachsen-Anhalt inhaltlich künftig stehen?

Sepp Müller: „Die CDU Sachsen-Anhalt war immer eine staatspolitisch verantwortliche Partei, die in der Mitte und aus der Mitte heraus regiert hat, und deswegen müssen wir in der Mitte wieder stärker werden und dürfen den Rändern nicht die Deutungshoheit überlassen. Und das haben wir in der Vergangenheit augenscheinlich gemacht, auch deswegen, weil wir Glaubwürdigkeit verloren haben. Wenn wir die wieder zurückgewinnen, dann gewinnen wir auch wieder die Wähler zurück, und dann gewinnen wir auch wieder Wahlen.“

Was muss sich innerhalb der Parteistrukturen ändern?

Sepp Müller: „Wir werden viel mehr, und das ist auch richtig, zur Mitgliederpartei werden müssen - raus aus dem Hinterzimmer, nach vorne wirklich sprechen, wie wir beispielsweise auch im Bildungsbereich besser werden können, wie wir die Fragen in Sachsen-Anhalt besser adressieren können und mit den Menschen ins Gespräch kommen. Und da wünsche ich mir mehr Team und weniger One-Man-Show. Das ist ein Thema, was ich nach vorne stellen möchte mit meiner Kandidatur.“

Wie soll es jetzt konkret weitergehen?

Sepp Müller: „Jetzt gilt es erst mal, den Rauch verfliegen zu lassen und zusammenzuführen. Es sind ja auch einige Narben entstanden. Wir haben ja auch die Fraktionsvorsitzendenwahl gesehen mit einem sehr knappen Ergebnis, und deswegen erst mal zusammenhalten und danach mit ganz breiter Aufstellung, mit Frauen, die engagiert sind im sozialen Bereich, mit unseren kommunalen Vertretern aufzustehen - raus aus dem Hinterzimmer, ab nach vorne auf den Marktplatz und mit den Menschen sprechen.“

Sie kandidieren als Landesvorsitzender, sind aber gleichzeitig stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Bundestag. Wie passt das zusammen?

Sepp Müller: „Meine Aufgabe hier in Berlin, das ist die Aufgabe als stellvertretender Fraktionsvorsitzender für Wirtschaft und Energie. Und da kann ich auch für Sachsen-Anhalt, aber für ganz Deutschland viel tun. Und da haben wir noch viel zu tun. Ich sage nur mal aus Sachsen-Anhalt heraus: Leuna, aber auch SKW Piesteritz, aber auch unsere Pharmaindustrie und der Mittelstand. Und das Zweite ist die ehrenamtliche Funktion als Landesvorsitzender der CDU Sachsen-Anhalt. Ich möchte meine Person in den Dienst der Partei stellen, um unsere Partei gemeinsam mit der Breite unserer Partei wieder neu aufzubauen und Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen, die wir verloren haben.“

Vielen Dank für das Gespräch.

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