17. September 2026 – dpa Nachrichten

Freizeit

Kasper statt Achterbahn: Nostalgie auf der Eisleber Wiese

Eisleben feiert seinen Wiesenmarkt mit Hunderten Attraktionen. Doch in einem kleinen bunten Zelt geht es zu wie früher: Kasper, Gretel, Räuber und Krokodil sorgen für leuchtende Kinderaugen.

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Egon Hubert Rasch sitzt mit historischen Handpuppen in seinem Kaspertheater auf der Eisleber Wiese.

Die Eisleber Wiese startet am Freitag wieder mit vielen lauten Vergnügungen. Aber ein Angebot fällt auf: Das bunte Zelt erinnert beinahe an einen kleinen Zirkus. Und wer hineingeht, taucht in eine völlig andere Welt ein. Draußen drehen sich Karussells, dröhnen Lautsprecher, kreischen Menschen in Fahrgeschäften.

Drinnen herrscht eine Atmosphäre wie aus einer anderen Zeit: Kaspertheater. Eine kleine historische Bühne steht im Mittelpunkt. Davor sitzen die Kinder, gebannt auf das Geschehen gerichtet. Dahinter haben Eltern und Großeltern Platz genommen, manche bei Kaffee und Kuchen. Kasper, Gretel, Seppel, das Krokodil, der Räuber und die Hexe gehören ebenso in diese Welt wie König und Prinzessin, Wachtmeister, Zauberer, Teufel und Großeltern.

«Das ist Nostalgie zum Anfassen und kommt gut an», sagte Marktmeister Siegmund Michalski. Während sich draußen auf der Eisleber Wiese alles immer schneller zu drehen scheint, geht es hier bewusst gemächlich zu.

Die Kinder fiebern mit dem Kasper mit, die Erwachsenen genießen Kaffee und Kuchen. Der Eintritt ist frei. Hinter dem Puppentheater steht der Familienbetrieb Rasch aus Niedersachsen. Der Schaustellerbetrieb von Egon Hubert Rasch führt das Kaspertheater bereits seit Jahrzehnten in fünfter Generation. Zum Fundus gehören hunderte handgeschnitzte historische Handpuppen.

Sein Zelt erinnert daran, dass ein Volksfest nicht immer schneller, höher und lauter sein muss. Manchmal reicht ein Kasper, der hinter einem Vorhang hervorschaut und ruft: «Seid ihr alle da!» - und plötzlich sind Kinder und Erwachsene wieder ein wenig in der guten alten Zeit.

Bis Montag bietet die Vergnügungsmeile der Eisleber Wiese auf rund vier Kilometern mehr als 300 Möglichkeiten der Zerstreuung. Es sind Fahrgeschäfte, Kinderkarussells, Belustigungsanlagen und Gastronomie. Das Volksfest geht bis in das Jahr 1521 zurück. Damals verlieh Kaiser Karl V. der Stadt das Marktrecht für einen Vieh- und Ochsenmarkt. Aus diesem Markt entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte eines der größten Volksfeste Mitteldeutschlands.

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