30. Juli 2026 – Radio Brocken

Ökotest

Erdbeerchips im Test: Viele Produkte mit Pestiziden und Cadmium belastet

ÖKO-TEST untersucht 30 Erdbeer-Fruchtchips: Acht Produkte fallen durch, in einem wurden 34 Pestizidspuren nachgewiesen.

rcnetlark-strawberry-3449461.jpg

Getrocknete Erdbeeren gelten als praktischer Snack für unterwegs – doch ein aktueller Test zeigt: Viele Produkte enthalten Mehrfachrückstände von Pestiziden, einige sind mit Cadmium belastet. Acht von 30 getesteten Erdbeer-Fruchtchips fallen durch, keines erhält die Bestnote.

Pestizid-Rekord: Bis zu 34 Spuren in einem Produkt

Das Verbrauchermagazin ÖKO-TEST hat 30 Erdbeer-Fruchtchips untersucht – mit ernüchterndem Ergebnis. In einem einzigen Produkt, den Koro Erdbeerscheiben gefriergetrocknet aus China, wiesen die Tester 34 verschiedene Pestizidspuren nach. Über die Hälfte aller getesteten Produkte, darunter auch Bio-Ware, enthält Mehrfachrückstände. Die gemessenen Mengen sind zwar sehr gering und nicht akut giftig, doch die Wirkung von Pestizid-Kombinationen auf die Gesundheit ist wissenschaftlich noch ungeklärt. ÖKO-TEST wertet deshalb ab zwei verschiedenen Pestiziden ab – ab 15 Pestiziden gibt es automatisch die Rote Karte.

Besonders problematisch: In einigen Produkten fanden die Tester bedenkliche Pestizide wie Captan (krebsverdächtig), Cyprodinil (hormonell wirksam) und 2,4-D (vermutlich krebserregend). Die Rewe Beste Wahl gefriergetrocknete Erdbeeren enthalten Cyprodinil und ein Abbauprodukt von Captan. In den Nutripur Kleine Racker Erdbeere wurde 2,4-D nachgewiesen.

Cadmium in fünf Bio-Produkten

Fünf Produkte kritisiert ÖKO-TEST wegen erhöhter Cadmiumwerte – betroffen sind ausschließlich Bio-Erdbeerchips. Das giftige Schwermetall reichert sich im Körper an und kann bei langfristiger Aufnahme Nieren und Knochen schädigen. Erdbeeren nehmen Cadmium über belastete Böden auf. Die Tester werten ab, sobald der gemessene Wert – zurückgerechnet auf frische Erdbeeren – mehr als die Hälfte des gesetzlichen Grenzwerts ausschöpft.

Fünf Produkte schneiden „gut" ab

Trotz der Kritikpunkte können fünf Erdbeer-Fruchtchips mit „gut" empfohlen werden. Darunter zwei vergleichsweise günstige Bio-Produkte von Kaufland und Lidl für 1,65 Euro pro zwölf Gramm. Ein „sehr gut" erreicht keines der getesteten Produkte, acht fallen durch. Alle getesteten Erdbeerchips stammen aus der Türkei, Ägypten, Marokko oder China – regionale Produkte sind nicht erhältlich.

Zuckergehalt: Süßigkeit statt Obstsnack

Erdbeer-Fruchtchips bestehen zu rund 50 Prozent aus Zucker – ohne Zuckerzusatz, da der Fruchtzucker natürlich in den Erdbeeren enthalten ist. ÖKO-TEST-Lebensmittelchemikerin Johanna Michl warnt: „Fruchtzucker ist kein 'gesünderer' Zucker. Kinder sollten wirklich nur ab und zu Fruchtchips essen." Eltern sollten die getrockneten Erdbeeren als Süßigkeit betrachten, nicht als gesunden Obstsnack.

Beim Vitamin-C-Gehalt können die Chips nicht mit frischen Erdbeeren mithalten: Eine Portion frische Erdbeeren (125 Gramm) liefert 70 bis 80 Milligramm Vitamin C, die entsprechende Menge gefriergetrockneter Erdbeeren (12 Gramm) nur 24 bis 48 Milligramm.


undefined
Radio Brocken
Audiothek