27. August 2026 – Radio Brocken
Dosenkonserven gelten als praktisch, haltbar und alltagstauglich. Doch genau bei diesen Vorteilen liegt auch ein Problem.
Viele Produkte kommen mit Bisphenolen in Kontakt. Gemeint sind vor allem Bisphenol A (BPA), aber auch Bisphenol S (BPS) und Bisphenol F (BPF). Diese Stoffe werden oder wurden in Lacken eingesetzt, mit denen Dosen innen und teils auch außen beschichtet sind. Von dort können sie ins Lebensmittel übergehen.
Besonders kritisch ist BPA, weil es als hormonell wirksame Chemikalie gilt. Solche Stoffe können in das menschliche Hormonsystem eingreifen. Zudem wurde der von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit angesetzte tolerierbare Tageswert 2023 drastisch gesenkt. Damit ist klar: Schon sehr kleine Mengen sind aus Vorsorgegründen unerwünscht.
Bisphenole – Vorsicht vor der hormonell wirksamen Chemikalie
Das Problem endet nicht bei BPA allein. Auch die Ersatzstoffe BPS und BPF stehen in der Kritik, weil ihnen ähnliche Wirkmechanismen zugeschrieben werden. Für Verbraucher bedeutet das: „BPA-frei“ ist nicht automatisch unbedenklich, wenn stattdessen andere Bisphenole nachweisbar sind. Genau das zeigt auch der aktuelle Ökotest zu 52 Dosenlebensmitteln. Das ernüchternde Ergebnis: 42 Produkte waren „hoch“ oder „sehr hoch“ belastet.
Auffällig ist dabei, dass die Innenbeschichtung oft bereits als BPA-NI ausgewiesen wird, also ohne bewusst eingesetztes BPA. Trotzdem fanden sich in vielen Produkten Rückstände. Als möglicher Grund gilt laut Test unter anderem die Außenlackierung: Beim Stapeln der Dosen kann es zu einem sogenannten Abklatsch kommen.
Diese Produkte fallen besonders auf
Immerhin zeigt der Test auch, dass es besser geht. Komplett ohne nachweisbare Bisphenole schnitten zwei Produkte ab: Bio Primo Linseneintopf rustikal und Sea Gold Heringsfilets geteilt in Tomatensauce. Ebenfalls positiv, wenn auch nicht vollständig frei, waren Produkte mit nur sehr geringer Belastung, etwa Get & Günstig Ananas-Scheiben in eigenem Saft, Uludağ Gazoz, Golden Seafood Heringsfilets in Tomatencreme und Nixe Zarte Heringsfilets in Tomatencreme.
Wie groß die Unterschiede sind, zeigen problematische Ausreißer. Besonders stark belastet waren die Maggi Ravioli in Tomatensauce, die im Test die höchste Aufmerksamkeit auf sich zogen. Ebenfalls sehr kritisch bewertet wurde der Speisezeit Linseneintopf von Aldi Süd, bei dem neben sehr stark erhöhtem BPA auch BPF stark erhöht war.
Fazit: Frisch ist oft die bessere Wahl
Der Ökotest macht deutlich: Erste bisphenolfreie Dosenprodukte sind zwar am Markt, sie bleiben aber die Ausnahme. Wer die Aufnahme solcher Stoffe reduzieren will, fährt mit frischen Lebensmitteln oder Glasverpackungen oft besser. Bei Dosen lohnt sich inzwischen ein genauer Blick - denn einige Hersteller zeigen bereits, dass es auch ohne Bisphenole geht.
Den vollständigen Test gibt’s hier