18. Februar 2026 – Radio Brocken
Eishockey-Star Leon Draisaitl schwört auf Senf gegen Krämpfe. Was steckt dahinter?
Eishockey-Star Leon Draisaitl schwört auf einen ungewöhnlichen Trick: Wenn sich Muskelkrämpfe ankündigen, greift der Kapitän der deutschen Olympia-Auswahl zur Senftüte. "Senf ist total gut gegen Krämpfe", verriet er im Eurosport-Interview. Doch bevor Hobbysportler nun die Supermarktregale stürmen – was sagt die Wissenschaft zu diesem pikanten Hausmittel?
Die Theorie hinter dem Senf-Trick
Die im Senf enthaltene Essigsäure soll die Durchblutung der belasteten Muskulatur anregen und damit Krämpfen vorbeugen. Klingt plausibel, doch die wissenschaftliche Beweislage ist dünn. Ein Fachartikel im "Journal of Athletic Training" aus dem Jahr 2022 kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Zur Wirksamkeit von Senf gegen Krämpfe gibt es bislang nur anekdotische Hinweise – also Berichte einzelner Personen, aber keine aussagekräftigen Studien.
Interessanterweise steht Senf damit nicht allein da. Auch beim weitverbreiteten Magnesium sieht es ähnlich aus, erklärt Christian Sturm, Orthopäde an der Medizinischen Hochschule Hannover: "Ich kenne keine Studie, die bewiesen hat, dass Magnesium gegen Krämpfe hilft oder ihnen vorbeugt. Aber viele Menschen sagen, dass es ihnen hilft – man kann es ausprobieren."
Warum Muskeln überhaupt krampfen
Muskelkrämpfe entstehen durch Überlastung, wobei verschiedene Faktoren zusammenspielen. Was jedoch fast immer Linderung verschafft: Dehnung. "Der Muskel neigt viel weniger zum Krampfen, wenn er geschmeidig gehalten wird", betont Sturm. Besonders Hobbysportler sollten regelmäßiges Dehnen in ihr Training einbauen.
Wichtig dabei: Die Muskeln sollten bereits aufgewärmt sein. Beim Joggen beispielsweise empfiehlt sich ein langsamer erster Kilometer, bevor man das Tempo steigert. Erst wenn der Muskel warm und gut durchblutet ist, sollte man höhere Belastungen einfordern. Nach dem Sport ist dann Zeit für ausgiebiges Dehnen aller beanspruchten Muskelgruppen.
Erste Hilfe bei akuten Krämpfen
Wenn der Krampf bereits zuschlägt, heißt es: Training abbrechen. Folgende Maßnahmen können helfen:
- Wärme anwenden (warme Dusche oder Wärmekissen)
- Sanfte Massage der betroffenen Stelle
- Lockere Bewegungen und vorsichtiges Dehnen
- Getränke mit Salz und Kohlenhydraten zu sich nehmen
Und natürlich: eine Portion Senf probieren. Denn auch wenn die Studienlage mager ist, könnte etwas dran sein. Der bereits erwähnte Bericht im "Journal of Athletic Training" verweist auf interessante Versuche mit Gewürzgurkenwasser, das bei Krämpfen deutlich schnellere Linderung brachte als reines Wasser. Der in der Gurkenlake enthaltene Essig könnte einen Reflex auslösen, der die Krampfaktivität hemmt – ein Mechanismus, der auch beim Senf greifen könnte.
Häufig gestellte Fragen zum Thema
Wie viel Senf sollte man gegen Krämpfe einnehmen?
Eine wissenschaftlich fundierte Dosierungsempfehlung gibt es nicht. Sportler wie Leon Draisaitl nehmen vorbeugend eine kleine Portion aus der Tüte – etwa einen Teelöffel. Wichtig ist, dass der Senf scharf genug ist, da die Essigsäure und Scharfstoffe vermutlich für die Wirkung verantwortlich sind. Probieren Sie zunächst eine kleine Menge und achten Sie darauf, wie Ihr Körper reagiert.
Kann ich Senf auch vorbeugend vor dem Sport einnehmen?
Ja, genau das macht Leon Draisaitl. Viele Sportler nehmen etwa 15-30 Minuten vor intensiver Belastung einen Teelöffel Senf zu sich. Allerdings sollten Sie bedenken, dass die vorbeugende Wirkung wissenschaftlich nicht belegt ist. Wichtiger sind eine gute Aufwärmphase, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und regelmäßiges Dehnen.
Welche Alternativen zu Senf gibt es bei Muskelkrämpfen?
Neben Senf schwören viele auf Gewürzgurkenwasser, das in Studien tatsächlich positive Effekte zeigte. Auch Magnesium-Präparate sind beliebt, obwohl die wissenschaftliche Beweislage ähnlich dünn ist wie beim Senf. Bewährt haben sich außerdem elektrolythaltige Sportgetränke, Bananen (wegen des Kaliumgehalts) und vor allem konsequentes Dehnen vor und nach dem Sport. Letztendlich muss jeder selbst herausfinden, was am besten funktioniert.