14. Oktober 2021 – Radio Brocken

Sachsen-Anhalt

Psychosoziales Zentrum betreut hunderte Geflüchtete

Migrantinnen und Migranten sind oftmals von Flucht und Krieg traumatisiert und gesundheitlich gefährdet. Im Regelsystem erhalten sie oft keine Hilfe. Seit 15 Jahren kümmern sich besondere Experten gezielt um Beratung und Therapie.

Eine Mitarbeiterin des PSZ hält ein Papierschiff in den Händen, das ein Geflüchteter in der Therapie gefaltet hat.
Eine Mitarbeiterin des PSZ hält ein Papierschiff in den Händen, das ein Geflüchteter in der Therapie gefaltet hat. , Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Halle/Magdeburg (dpa/sa) - Traumata, Depressionen und körperliche Beschwerden: Das Psychosoziale Zentrum für Migrantinnen und Migranten in Sachsen-Anhalt (PSZ) mit Standorten in Halle und Magdeburg hilft speziell Geflüchteten. Im vergangenen Jahr seien 320 Menschen versorgt worden, die Flucht-, Kriegs- und auch Foltererfahrungen gemacht hätten, erklärte Projektleiterin Magdalene Schlenker. Die Menschen stammten aus über 30 verschiedenen Ländern, vor allem aus Afghanistan, Syrien und Tschetschenien.

Pandemiebedingt habe es im vergangenen Jahr weniger Neuaufnahmen gegeben. Es sei notwendig gewesen, die angebundenen Klienten intensiver zu betreuen. 2018 waren noch 412 Menschen psychosozial begleitet worden, hieß es. Für das gesamt Bundesland gibt es an dem Psychosozialen Zentrum 7,4 Stellen für den Therapiebereich und drei für die Sozialberatung. Hinzu kommen als freie Mitarbeitende rund 60 Sprachmittler. 2006 sei das Angebot mit einer halben Therapiestelle gestartet und einer ehrenamtlichen psychologischen Beratung; 25 Personen seien so unterstützt worden.

Schlenker erklärte weiter: «Die Versorgungslage konnte insgesamt mehr und mehr verbessert werden. Als ausreichend kann sie nicht bezeichnet werden, da das PSZ weiterhin landesweit die einzige Einrichtung mit einem sprachmittlungsgestützten und kultursensiblen psychosozialen Angebot ist.» Mehrere Studien gingen bei der Hälfte bis über zwei Drittel der Personen, die vor Verfolgung und Krieg geflohen sind, von psychischen und körperlichen Traumafolgestörungen aus.

Die Wartezeiten sind den Angaben zufolge schwankend und bewegten sich je nach Anliegen, Sprache und Kapazität zwischen mindestens 8 und 14 Monaten, im Kinder- und Jugendbereich zwischen 4 und 8 Monaten. «Nach der Anmeldung wird jedoch in der Regel innerhalb von drei Monaten ein erstes Klärungsgespräch geführt und geprüft, ob die Person bei uns richtig ist und ob sie vermittelt werden kann.»

«Die Anmeldezahlen gehen trotz sinkender Asylanträge nicht maßgeblich zurück. Noch immer werden nur sehr wenige psychisch belastete und erkrankte Geflüchtete in der Regelversorgung untergebracht, wo ebenfalls lange Wartezeiten gelten», erklärte die Projektleiterin weiter. Ungewisse Bleibeperspektiven, Alltagsrassismus, belastende Unterbringungssituationen und fehlende Beschäftigung erschwerten die Heilungschancen.

Die Organisatoren streben eine Finanzierung über Projektmittel hinaus an. Seit 2020 gebe es etwa eine Möglichkeit, über die Kassenärztliche Vereinigung in sehr eingeschränktem Rahmen regulär Leistungen abzurechnen. Damit könnten etwa 20 Klientinnen und Klienten pro Jahr versorgt werden.

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