15. September 2022 – dpa Nachrichten

Universität Magdeburg

Magdeburger Forscher entwickeln autonome Lastenfahrräder

Sich eben ein Lastenfahrrad leihen für die Einkäufe, das Rad kommt zum gewünschten Ort und fährt danach allein wieder ab. Magdeburger Wissenschaftler haben die Grundlagen für ein solches System geschaffen. Vor ihnen liegt aber noch viel Forschungsarbeit.

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Autonomes Lastenrad Uni Magdeburg © Foto: Bildrechte OVGU

Noch sind Sicherheitsbegleiter nötig und die autonomen Lastenfahrräder drehen ihre Runden vorerst auf dem Campus der Universität Magdeburg. Ein Forscherteam hält es nach einem dreijährigen EU- und landesgeförderten Projekt perspektivisch für möglich, dass Nutzerinnen und Nutzer sich per App ein Lastenrad an einen Ort ihrer Wahl bestellen können. Dies soll nach einer Fahrt selbstständig in ein Depot oder zum nächsten Nutzer weiterfahren. Projektleiter Stephan Schmidt vom Institut für Mobile Systeme der Uni Magdeburg sieht den Trend weg vom eigenen Pkw hin zu kleinen mobilen Einheiten, die Nutzer rufen, wenn sie sie brauchen. Das Projekt sei ein Beitrag dazu, sagte Schmidt am Donnerstag in Magdeburg.

Die Wissenschaftler statteten fünf Räder unter anderem mit Kameras und Laserscannern aus, damit sie die Umgebung erkennen und reagieren können. Die Räder wurden mobil gemacht und fuhren laut Schmidt über 1000 Kilometer um Daten zu sammeln und Testfahrten zu unternehmen. Zugleich befragten Umweltpsychologen Passanten und potenzielle Nutzer nach ihrer Meinung. Die fiel laut Schmidt überwiegend positiv aus. Auch der wirtschaftliche Betrieb einer großflächigen Einführung eines solchen Ruf-Systems wurde unter die Lupe genommen.

Projektleiter Schmidt sagte, er hoffe, dass das System in die Stadt übertragen werden könne. Dafür allerdings müsse die Technik noch kleiner, leichter und günstiger werden. In sechs, sieben Jahren könnte es aus seiner Sicht möglich sein, ein Lastenrad per App zu einem beliebigen Standort zu rufen. Neben technischen Hürden gibt es auch rechtliche: Derzeit muss stets ein Mensch eingreifen können, um das Fahrzeug zu stoppen.

Die EU und das Land Sachsen-Anhalt hatten das Projekt zu den autonomen Rädern drei Jahre lang mit zusammen 4,4 Millionen Euro gefördert. Die Forschung geht weiter, das Land Sachsen-Anhalt stellt bis Ende kommenden Jahres 500 000 Euro zur Verfügung, wie Projektleiter Schmidt sagte. Im Mittelpunkt soll dabei stehen, wie die Räder von einem Leitstand aus überwacht werden können.

Sachsen-Anhalts Ministerin für Infrastruktur und Digitales, Lydia Hüskens (FDP), hofft wie sie sagt auf eine erfolgreiche Umsetzung. Sie hob den Ansatz hervor, die Menschen mitzunehmen und zu schauen, wie Verkehrsteilnehmer auf die autonomen Fahrzeuge reagierten. Der Übergang zum autonomen Fahren werde eine große Herausforderung. Uni-Rektor Jens Strackeljan sagte mit Blick auf mehrere Unternehmensansiedlungen in Barleben wenige Kilometer nördlich von Magdeburg, es müssten individuellere Verkehrslösungen her als eine S-Bahn.

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