Magdeburg

Attentat von Halle: So lief der erste Prozesstag

Mit Verspätung begann am Dienstagmittag der Prozess am Landgericht Magdeburg gegen den Attentäter von Halle.

Am ersten Tag des Prozesses hat der Angeklagte beide Morde gestanden. Der Mord an Jana L. sei nicht geplant und nicht gewollt gewesen. Den 20-jährigen Kevin S., den er im Imbiss Kiez-Döner erschossen hatte, hatte er für einen Muslim gehalten. Es tue ihm leid einen Weißen erschossen zu haben. Stattdessen habe er möglichst viele Muslime und Schwarze töten wollen. Echte Reue zeigt der Angeklagte nicht. Für seine rassistischen und menschenverachtenden Äußerungen wurde er von Richterin Ursula Mertens mehrfach in seinen Ausführungen unterbrochen.

Mertens befragte den Angeklagten auch zu den Vorbereitungen der Tat. Als normaler Passant sei er zuvor an der Synagoge in Halle gewesen, um den Zielort auszuspähen. Bis zur Tat habe niemand von seinem Vorhaben gewusst.

Gegen 17.15 Uhr vertagte die Richterin den Prozess. Dieser wird am Mittwoch forgesetzt und beginnt mit der Sichtung des Videomaterials, welches der Angeklagte im Internet streamte.

Prozess zum Attentat von Halle: der erste Tag im Ticker

+++17.17 Uhr Prozess vertagt+++

Der Prozess wird von Richterin Mertens vertagt. Der morgige Prozesstag soll dann mit dem Abspielen der Videos, die der Angeklagte im Netz gestreamt hat, begonnen werden.

+++16.27 Uhr Wiederaufnahme des Prozesses nach der Pause+++

Nach einer Pause geht es im Landgericht Magdeburg weiter. Der Angeklagte gesteht, Jana L. und Kevin S. erschossen zu haben. Der Kollege des getöteten Kevin S. ist zudem seitdem arbeitsunfähig.

+++14.05 Uhr Das Töten von Jana L. war eine "Kurzschlusshandlung"+++

Den zweiten Schuss auf Jana L. kommentiert der Täter mit: „Wenn man etwas macht, muss man es richtig machen.“ Gleichzeitig spricht er von einer "Kurzschlusshandlung". Außerdem tue es ihm leid, dass er "so viele Weiße getötet habe."

+++13.58 Uhr Täter lacht über seine Fehler bei der Tat+++

Am 9. Oktober um 11 Uhr startete der Täter vom Haus seines Vaters in Helbra. Auf dem Weg zur Synagoge verfuhr er sich. Auf die Frage, warum er keine Leiter bei seiner Tat dabei hatte, antwortet der Angeklagte lachend: "Das war einer meiner vielen Fehler."

+++13.35 Uhr Drei Jahre Waffen selbst gebaut, seit 2019 Ziel ausgespäht+++

Drei Jahre hat der Attentäter von Halle an seinen Waffen gebaut. Am Anfang konnte er nach eigenen Aussagen nicht einmal ein Loch gerade bohren. Zum Schluss hat er sogar das Schießpulver selbst hergestellt.

Im Sommer 2019 hat der Täter mehrfach sein Ziel in Halle ausgespäht.

+++13.10 Uhr Familie des Attentäters äußert sich nicht+++

Die Eltern des Attentäters und seine Schwester haben vom Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht.

+++12.52 Uhr Der Angeklagte äußert sich zu den Vorwürfen+++

Die getötete Jana L. hielt der Angeklagte für minderwertig. Auch beide Opfer aus Landsberg werden vom Angeklagten als minderwertig erachtet. Ihren Tod nahm er in Kauf.

Der Täter gibt an, dass er keine Freunde oder Interessen hatte, außer das Internet. Nach dem durch Krankheit abgebrochenem Studium, lebt der Täter „in den Tag hinein“, bei seiner Mutter im Kinderzimmer. Im Sommer 2017 hat der Täter begonnen, sich zu bewaffnen. Die Tatwaffen wurden in der Werkstatt des Vaters und im alten Kinderzimmer im Haus des Vaters gebaut.

Nachdem sich der Täter mehrfach im beleidigenden und menschenverachtenden Kontext äußert, ermahnt die Richterin ihn, dass er auch von der Verhandlung ausgeschlossen werden kann.

+++12.37 Uhr Anklageschrift wird verlesen+++

Die Anklageschrift wird verlesen. 13 Anklagepunkte. Darunter: Leugnung des Holocaust, Mord und versuchtem Mord. Mit zum Teil heimtückischen Mitteln, wie es in der Anklage steht.

Mit acht Schusswaffen und verschieden Sprengsätzen wollte er Menschen töten und andere zu ähnlichen Taten animieren. Die Molotowcocktails beim Angriff auf die Synagoge fertigte der Angeklagte aus Motoröl und Benzin. Die selbstgebaute Sprenggranate, die der Täter auf den Döner Imbiss warf, war mit Nägeln gefüllt. Eine Passantin wurde auf der Straße von Nägeln am Fuß getroffen.

Fast 45 Minuten dauert das Verlesen der Anklageschrift, auch aufgrund der Fülle an Straftaten.

+++12.35 Uhr Der Angeklagte spricht das erste Mal+++

Zum ersten Mal spricht der Täter vor Gericht. Klar. Zackig. Kurz.

+++12.25 Uhr Der Prozess beginnt+++

Der Prozess läuft natürlich auch unter Corona Bedingungen. Mindestens 45 Minuten soll jede Unterbrechung dauern, damit der Täter dann aus dem Saal geschafft werden kann. Es soll aber auch kurze Pausen zum Lüften geben.

Das Gericht stellt die Beteiligten des Verfahrens vor. Die Richterin sagt, sie hätte noch nie ein Verfahren mit so vielen Beteiligten geleitet.

+++11.18 Uhr Unser Reporter ist im Gerichtssaal+++

Schon vor Prozessbeginn gibt es harsche Kritik am Gericht: einige Journalisten haben über 3 Stunden in der prallen Sonne warten müssen. Die Medienplätze im Saal sind außerdem sehr schlecht: Kein Journalist wird dem Angeklagten im Prozess ins Gesicht schauen können. Landeshauptstadt-Reporter Lars Frohmüller ist im Gegensatz zu einigen seiner Kollegen zumindest schon mal im Gerichtssaal.

+++10.45 Uhr Gleich geht es ins Gerichtsgebäude+++

Mit 45 Minuten Verspätung geht es jetzt gleich ins Landgericht. Ein Pressesprecher hat gerade zugeben: beim Probelauf ist nicht alles bedacht worden. „Es läuft nicht alles optimal.“ Der Prozess soll nun 11 Uhr beginnen.

+++08:17 Uhr Ankunft des Attentäters in Magdeburg+++

+++08:05 Uhr: Geänderte Route zum Landgericht+++

Der Attentäter wurde nicht, wie bisher gedacht, über die A2 und A14 transportiert, sondern mit dem Hubschrauber zum Flugplatz Magdeburg gebracht. Von da ging es per Eskorteam ins Landgericht.

Alles vom Prozess zum Attentat in Halle

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