10. August 2026 – dpa Nachrichten

Tiere

Warum sich Störche in Sachsen-Anhalt wohlfühlen

Immer mehr Weißstörche leben in Sachsen-Anhalt. Was ihnen hier gute Bedingungen bietet, warum der Nachwuchs dennoch schwankt – und weshalb manche inzwischen sogar im Winter bleiben.

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Die Zahl der Weißstörche in Sachsen-Anhalt hat sich seit 1990 mehr als verdoppelt. (Symbolbild)

Wer derzeit durch die Altmark oder entlang der Elbe fährt, hat gute Chancen, einen Weißstorch zu entdecken. «Sachsen-Anhalt erlebt ein gutes, regional jedoch unterschiedliches Storchenjahr», sagt der Storchenexperte des Naturschutzbundes (Nabu), Michael Arens. Die Zahl der besetzten Nester sei hoch, beim Nachwuchs dürfte das Rekordniveau des vergangenen Jahres allerdings nicht erreicht werden.

Landesweite Abschlusszahlen für 2026 liegen noch nicht vor. Im vergangenen Jahr wurden landesweit 784 Brutpaare gezählt - so viele wie nie seit Beginn der systematischen Erfassung. Seit 1990 hat sich der Bestand damit mehr als verdoppelt. Damals waren es rund 320 Paare.

Im Altkreis Kalbe in der Altmark, wo Arens die Bestände betreut, waren in diesem Jahr 36 Horste besetzt - vier mehr als im Vorjahr. Von 31 brütenden Paaren zogen 27 insgesamt 63 Jungstörche auf.

Dass trotz der vielen besetzten Horste weniger Nachwuchs erwartet wird, könnte auch an der späten und zeitlich versetzten Rückkehr insbesondere der sogenannten Ostzieher liegen. «Dadurch kam es häufiger zu Kämpfen um bereits besetzte Horste. Dabei gingen auch Eier und ganze Gelege verloren; manche spät eingetroffenen Paare begannen gar nicht mehr zu brüten», erklärt Arens.

Das Nahrungsangebot war nach Einschätzung des Nabu bislang ausreichend. Zwar erschweren trockene Böden die Suche nach Regenwürmern und Fröschen. Die Störche können jedoch auf Insekten wie Heuschrecken ausweichen.

Die Tiere sind im Land sehr ungleich verteilt. Die meisten Brutpaare gab es 2025 im Landkreis Stendal mit etwa 207 Paaren, gefolgt vom Altmarkkreis Salzwedel mit 127 und dem Landkreis Börde mit 105. Im Burgenlandkreis wurden dagegen nur acht Brutpaare gezählt. Besonders gute Bedingungen finden die Tiere in feuchten Niederungslandschaften und entlang der Flussauen.

Auch das Zugverhalten verändert sich. Vor rund 30 Jahren waren bundesweit etwa drei Viertel der Störche Ostzieher, heute sind etwa drei Viertel Westzieher. Diese überwintern meist in Frankreich oder Spanien, statt bis nach Afrika zu fliegen.

«Wer nur bis Frankreich oder Spanien oder Nordwestafrika zieht, legt auf Hin- und Rückweg jeweils nur etwa 4.000 Kilometer zurück. Diese Störche kommen früher und meist in besserer Verfassung am Brutplatz an», sagt Arens.

Einige wenige Störche bleiben inzwischen sogar im Winter in Sachsen-Anhalt. Im vergangenen Winter wurden ein freilebender Storch bei Loburg und ein Paar in Magdeburg-Westerhüsen beobachtet. Mindestens drei Überwinterer sind damit belegt. Eine vollständige Erfassung gibt es nicht. Mildere Winter erleichtern das Hierbleiben, entscheidend ist laut Nabu aber vor allem, ob die Tiere ausreichend Nahrung finden.

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