19. September 2026 – dpa Nachrichten
In Sachsen-Anhalt steht auf vielen Zeugnissen statt einer Note nur das Kürzel «n.e.». Ein Fach ist besonders oft betroffen.
Statt einer Zeugnisnote in Musik, Wirtschaft, Informatik oder anderen Fächern stand bei rund 20.400 Schülerinnen und Schüler in Sachsen-Anhalt schlicht ein «n.e.» auf dem letzten Zeugnis. Die Abkürzung steht für nicht oder nicht ausreichend erteilten Unterricht. Und das betraf im Schuljahr 2025/26 besonders häufig das Fach Musik, hinter dem über 5.700 Mal keine Note stand, davon gut 1.600 Mal auf dem Zeugnis von Grundschülern. In Sachsen-Anhalt lernen über 200.000 Schülerinnen und Schüler an den allgemeinbildenden Schulen.
Der Linken-Bildungspolitiker Thomas Lippmann hatte die Angaben von der Landesregierung erfragt. Das Bildungsministerium antwortete auf der Grundlage von Selbstauskünften der Schulen im Rahmen einer Ad-hoc-Umfrage. Laut einem Ministeriumssprecher meldeten von 739 öffentlichen allgemeinbildende Schulen 152 entsprechende Fälle zurück.
Dabei kam auch heraus, dass bei 109 Klassen oder Lerngruppen zwei Zeugnisnoten nicht erteilt wurden, bei 87 blieben sogar mehr als zwei Zeugnisnoten offen.
Neben Musik war demnach der Bereich Hauswirtschaft/Technik/Wirtschaft besonders häufig betroffen, dort stand bei rund 4.250 Schülern ein n.e. auf dem Zeugnis, für den wertebildenden Unterricht wie Ethik wurde das fast 3.100 Mal erfasst, für Informatik 2.760 Mal.
Das Bildungsministerium weist darauf hin, dass das «nicht erteilt» nicht immer auf Unterrichtsausfall aufgrund von Lehrermangel zurückzuführen ist. Es gebe auch schulorganisatorische Gründe, so könnten versetzungsrelevante Fächer auch nur ein Schulhalbjahr lang unterrichtet werden.
Der nicht oder nicht ausreichend erteilte Unterricht betrifft die Schulformen der Erhebung zufolge unterschiedlich stark: an den Sekundar- und Gemeinschaftsschulen waren gut 14.800 Schülerinnen und Schüler betroffen, an den Grundschulen fast 3.000 und an den Förderschulen mehr als 1.700. An den Gymnasien aber fehlte deutlich seltener eine Zeugnisnote: dort waren es 800 Schüler.
Das Bildungsministerium bemüht sich darum, zusätzliche Lehrkräfte zu gewinnen. Um die Stundentafeln in möglichst vielen Schulen abzusichern, wird zudem um Bereitschaft geworben, sich freiwillig abordnen zu lassen an Schulen, die Unterstützung brauchen. Dabei soll der Blick auch über die Schulformen hinaus gerichtet werden. «Dabei geht es uns auch besonders um Bedarfe in konkreten Unterrichtsfächern der Abschlussjahrgänge», so der Sprecher des Bildungsministeriums. «Ziel ist es, den Umfang freiwilliger Bereitschaft zur Unterstützung im benachbarten Schulen im Vergleich zu Vorjahren zu erhöhen.»