02. Juli 2026 – dpa Nachrichten
Der traditionsreiche Simson-Hersteller in Suhl geht auf eine jüdische Familie zurück, die von den Nazis vertrieben wurde. Sie wehrt sich gegen die Nutzung ihres Namens durch die AfD.
Nachfahren der jüdischen Familie Simson sind geschockt, dass ihr Name auf T-Shirts oder Postern in Verbindung mit der AfD oder des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke auftaucht. Eine solche politische Vereinnahmung durch Nutzung des Namens, der auch für eine bekannte Moped-Marke steht, müsse vollkommen ausgeschlossen sein, sagte der Sprecher der heute in den USA lebenden Familie, Dennis Baum, am Rande einer Veranstaltung in Erfurt. Letztlich versuche die AfD, mit dem Namen der von den Nazis vertriebenen Unternehmerfamilie Werbung zu betreiben.
Baum kündigte an, dass er sich an diesem Samstag an einem «Fest der Demokratie» und damit einer der Protestaktionen im Umfeld des AfD-Bundesparteitags in Erfurt beteiligen werde. Bei der Veranstaltung in der Neuen Synagoge in Erfurt nannte der 82-Jährige den Termin des AfD-Parteitags - genau 100 Jahre nach einem Reichsparteitag in Weimar - einen «Schlag ins Gesicht der Demokratie».
Die in Suhl produzierten Mopeds der Marke Simson wie «Schwalbe» oder S50/51 sind bei vielen Jugendlichen Kult und stehen für ostdeutsches Lebensgefühl und Mobilität. Immer wieder zeigen sich AfD-Politiker nicht nur in Thüringen mit den Mopeds oder organisieren Ausfahrten.
Das Werk, in dem in der DDR Mopeds der Marke Simson gebaut wurden, geht auf die jüdischen Brüder Simson zurück. Es ist damit Teil der jüdischen Geschichte Thüringens. Die Familie war 1936 von den Nationalsozialisten aus Deutschland vertrieben worden und in die USA geflohen.