16. Oktober 2026 – dpa Nachrichten
Am 27. Juni begann der Brand Nahe der Landesgrenze zu Sachsen und Sachsen-Anhalt - gelöscht ist er immer noch nicht. Wieso ist das so schwer zu löschen? Und was sind die nächsten Schritte?
Seit mehreren Monaten schwelt ein Brand unter der Erde in Thüringen nahe der Grenze zu Sachsen und Sachsen-Anhalt. Was als Waldbrand begann, hat sich zu einem schwer löschbaren unterirdischen Schwelbrand entwickelt. Wie soll es dort weitergehen?
Der Brand auf der stillgelegten Kohlebergbaufläche des ehemaligen Tagebaugebietes Rusendorf war an einem heißen Wochenende Ende Juni ausgebrochen. Nachdem der oberirdische Brand auf einer Fläche von rund acht Hektar gelöscht war, wurde das Areal an die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) übergeben. Das Unternehmen ist Eigentümer der Fläche.
Seitdem schwelt der Brand auf dem Areal eines sogenannten Kohletrübebeckens. Demnach wurde das Becken unter anderem vom Bergbauunternehmen Mibrag bis 2013 zur Ascheeinspülung genutzt. Dadurch befinden sich Braunkohlereste im Boden.
Die LMBV ist unter anderem mit der Sanierung früherer DDR-Braunkohletagebaue betraut. Zu ihren Aufgaben gehören etwa die Wiederherstellung von Flächen und Gewässern.
Problematisch ist laut LMBV, dass bislang vor Ort nur wenig Wasser verfügbar war und die brennende Fläche nicht betreten werden kann. Im Juli wurde testweise mit einem Hubschrauber Wasser auf einem festgelegten Areal verteilt - diese Versuche waren jedoch nicht von Erfolg gekrönt. Demnach wirbelte das Wasser die Oberfläche auf - löschte jedoch nicht die tiefer liegenden Schichten.
Auch das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz spricht von einem «langwierigen und nur schwer zu löschenden Schwelbrand». Ein Sprecher sagte, der Behörde sei kein vergleichbares Ereignis in Thüringen aus der Vergangenheit bekannt.
Anfang Juli wurde eine Brandschutzschneise von 30 bis 50 Metern um die betroffene Fläche gezogen und ein Sprinklersystem installiert. Dieses wird nun nicht mehr mit Trinkwasser, sondern mit Wasser aus einem vier Kilometer entfernten Bergbaurestloch gespeist. Dafür wurden zwei Rohrleitungen installiert und nach mehreren Wochen Bauzeit nun in Betrieb genommen.
Damit stehen von jetzt an mehr Wasser sowie ein stärkerer Wasserdruck zur Verfügung, wodurch auch mit anderer Löschtechnik gearbeitet werden kann, wie eine LMBV-Sprecherin erklärte. Durch die Inbetriebnahme könne zudem das Trinkwassernetz der Region entlastet werden.
Zudem wurde laut Unternehmen mit sogenannten Löschlanzen gezielt Wasser zu den Brandherden im Untergrund gebracht. Das habe ebenfalls zu einer Eindämmung der Rauchentwicklung geführt. Diese kommen demnach auch in den nächsten Wochen zum Einsatz.
Seitens der Anwohner gab es Beschwerden über Rauch- und Geruchsbelästigung - und das nicht nur in Thüringen, sondern auch in Sachsen-Anhalt und Sachsen. Vor allem im August gab es eine Reihe an Beschwerden über Rauch- und Geruchsbelästigungen, heißt es von den Landratsämtern Leipziger Land (Sachsen) und Burgenlandkreis (Sachsen-Anhalt).
In letzter Zeit habe es keine Beschwerden mehr von Anwohnern gegeben, hieß es vom zuständigen Thüringer Landratsamt in Altenburg. So rauche es seit einiger Zeit wesentlich weniger, weswegen es nicht mehr stark rieche.
Seit Anfang September finden auf Anordnung der Stadt Meuselwitz an fünf Standorten Messungen der Qualität der Luft basierend auf verschiedenen Parametern statt. Eine dieser Stationen steht auch im sächsischen Michelwitz. Diese sollen Rückschlüsse über mögliche Gesundheitsrisiken liefern. Ergebnisse liegen bislang nicht vor. Die LMBV rechnet ab Anfang/Mitte November damit.
Zudem hatte das Landratsamt Altenburger Land angekündigt, dass in einer zweiten Phase sogenannte Messcontainer an den Messpunkten in Mumsdorf und Falkenhain aufgebaut werden sollen, da diese besonders vom Geruch betroffen seien. Diese liefern dann demnach unter anderem Aussagen zu Schwefeldioxid, Stickstoffdioxid und Kohlenstoffmonoxid in Echtzeit. Damit ließen sich auch Kurzzeitgrenzwerte überwachen. Voraussichtlich beginne der Aufbau der Container Ende Oktober, hieß es vor einigen Wochen.
In Sachsen-Anhalt wurden zudem selbstständig Messungen durchgeführt. «Bis dato hat keine Messung im Burgenlandkreis auch nur ansatzweise eine Überschreitung von gesetzlichen Grenzwerten ergeben», teilte das zuständige Landratsamt mit.
In den vergangenen Monaten konnte der Brand laut LMBV von acht Hektar auf rund zwei Hektar eingedämmt werden. Prognosen, wann der Brand endgültig gelöscht sein wird, gibt es bislang nicht.
Um die Fläche abzukühlen und nahezu rauchfrei zu bekommen, schätzt das Unternehmen, dass bis zum Jahresende vor Ort gelöscht werden muss. Als abschließende Maßnahme soll das Areal mit einer zwei Meter dicken Erdschicht abgedeckt werden, sodass der unterirdische Rauch endgültig erstickt wird. Gegen Ende des Jahres oder Anfang 2027 soll mit einer testweisen Prüfung der Tragfähigkeit begonnen werden.
Bis die dauerhafte Abdeckung vollständig hergestellt sei und volle Wirkung entfalte, werde jedoch noch einige Zeit vergehen. Im August hatte der Sprecher der Geschäftsführung der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), Bernd Sablotny, die Dauer dafür auf zwei bis vier Jahre geschätzt.