29. Oktober 2026 – dpa Nachrichten

Feiertag

Reformationstag: Wittenberg und Eisleben feiern Luther

Der 31. Oktober erinnert an den Beginn der Reformation durch Martin Luther vor gut 500 Jahren. Vor allem in Wittenberg und Eisleben wird der Feiertag mit einem bunten Programm begangen.

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In den Kirchgemeinden in Sachsen-Anhalt wird der Reformationstag gefeiert. (Archivbild) , Foto: Sebastian Willnow/dpa

Gottesdienste, Konzerte, Feste und ausgelassene Stadtspektakel: An mehreren Orten in Sachsen-Anhalt wird am Dienstag der Reformationstag gefeiert. Vor allem in den Lutherstädten Wittenberg und Eisleben sind wieder eine Vielzahl von Veranstaltungen an den Originalschauplätzen der Reformation geplant. «Besucher aus ganz Deutschland und aus vielen Teilen Europas kommen zu uns, um Luthers historischen Thesenanschlag zu feiern», sagte Franka List von der Lutherstadt Wittenberg Marketing GmbH.

Das reformationsgeschichtliche Ensemble von Stadt- und Schlosskirche sowie von Luther- und Melanchthonhaus zählt seit 1996 zum Weltkulturerbe der Unesco. Traditionell gibt es zum Feiertag ein buntes Programm. «Diese Mischung von kirchlichen Feiern, Volksfesten und akademischen Veranstaltungen hat sich seit Jahren bewährt», so Tourismuschefin Kerstin Ruske. Viele der rund 2.000 Betten in Hotels und größeren Pensionen in Wittenberg seien zum Wochenende belegt.

Unter dem Motto «Historisch, festlich und lebendig» erwartet Gäste und Einheimische ein vielfältiges Programm aus Musik, traditionellem Handwerk, Gottesdiensten und Konzerten. Das Marktspektakel und der große Lichterumzug gehören zu Höhepunkten des Tages. Am Abend folgen ein Festkonzert mit Saxofon und Orgel in der Schlosskirche sowie Mozarts Krönungsmesse in der Stadtkirche.

Seit 30 Jahren gehört auch das Geburtshaus Luthers in Eisleben gemeinsam mit dem Museum «Luthers Sterbehaus» zum Unesco-Weltkulturerbe. Der Feiertag beginnt am Morgen mit einem Festgottesdienst mit Abendmahl in der St. Andreaskirche. Vorträge sind geplant und Stadtführungen. Der Förderverein St.-Gertrud-Kirche lädt ab 14.00 Uhr zu einer Ausstellung unter dem Titel «Kunst zum Reformationstag» in das Gotteshaus. Zum Abschluss des Reformationstages gibt es ein Konzert in der St. Andreaskirche, gespielt wird etwa die Salzburger Sinfonie von Mozart.

Ob Martin Luther (1483 bis 1546) seine 95 Thesen über Ablass und Buße tatsächlich am 31. Oktober 1517 an die Schlosskirche von Wittenberg genagelt hat, sorgte bis in die jüngste Vergangenheit insbesondere bei Kirchenhistorikern für kontroverse Debatten. Mirko Gutjahr, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, sagte: «Der 31. Oktober 1517 galt lange als das unbestrittene Datum des Thesenanschlags durch Martin Luther» und damit als Beginn der reformatorischen Bewegung.

In den 1960er Jahre seien bei einigen Wissenschaftlern jedoch Zweifel aufgekommen, ob Luther seine eigentlich als Disputationseinladung gemeinte Liste von Argumenten gegen Ablasshandel wirklich an jenem Tag an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg geschlagen habe. Luthers Mitarbeiter Georg Rörer habe jedoch in einer Bibelausgabe von 1545 einen wichtigen handschriftlichen Hinweis darauf geliefert, dass der Anschlag tatsächlich stattgefunden habe.

Auch gehörte der öffentliche Aushang zu den normalen Gepflogenheiten im universitären Alltag. Dieser eigentlich «gewöhnliche Akt» sei aber erst durch Philipp Melanchthon nachträglich zur Geburtsstunde der Reformation erhöht worden, erklärte Gutjahr.

Luthers einstige Wohnstätte in der Collegienstraße wird derzeit saniert und umgebaut. Im vorgelagerten Augusteum sind die größten Schätze aus dem ehemaligen Klostergebäude in der Sonderausstellung «Buchstäblich Luther. Facetten eines Reformators» zu sehen. «Wir liegen gut im Zeitplan. Wenn keine großen Überraschungen geschehen, kann das Lutherhaus in etwa zwölf Monaten wieder eröffnet werden», sagte Thomas T. Müller, Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt.

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