13. Januar 2021 – Radio Brocken

Sachsen-Anhalt

Probleme bei Kinderbetreuung: SPD für Recht auf Homeoffice

Die SPD will Arbeitnehmer in der Corona-Krise mit zusätzlichen Rechten ausstatten.

Katja Pähle (SPD) sitzt im Landtag.
Katja Pähle (SPD) sitzt im Landtag. , Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/ZB/Archivbild

Magdeburg (dpa/sa) - Landtagsfraktionschefin Katja Pähle forderte am Mittwoch unter anderem ein Recht, von zu Hause aus zu arbeiten. «Die Möglichkeiten von Appellen an die Unternehmen scheinen ausgeschöpft», teilte die designierte Spitzenkandidatin der Sozialdemokraten mit. «Deshalb brauchen wir jetzt den gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice, wo immer das möglich ist.» Das sei vor allem für Unternehmen ohne Betriebsrat wichtig.

Für viele sei nicht nachvollziehbar, warum Schulen schließen müssen, Büros aber nicht. «Zwei Geschwisterkinder dürfen nicht gemeinsam von Oma und Opa betreut werden, aber ihre Eltern dürfen den ganzen Tag mit vielen Kolleginnen und Kollegen zusammen im Großraumbüro sitzen», sagte Pähle. «Das verstehen die Leute nicht, und damit haben sie Recht.»

Einen umfassenden Lockdown der Wirtschaft lehnt die Sozialdemokratin dennoch ab. «Angst vor Arbeitsplatzverlust, Versorgungsprobleme, Unterbrechung von Wertschöpfungsketten - das würde die Krise nur verschärfen», sagte Pähle. Ein vollständiger Stillstand der Wirtschaft könne daher keine Lösung sein. «Umso wichtiger, dass wir alle anderen Möglichkeiten nutzen, um das Arbeitsleben in den Infektionsschutz einzubeziehen», sagte Pähle. Für Arbeiten, die nicht im Homeoffice erledigt werden können, forderte sie stattdessen strengere Abstands- und Hygieneregeln und Kontrollen, dass diese Auflagen auch eingehalten werden.

Der Koalitionspartner CDU wies die Forderungen als «praxisfernen Aktionismus» zurück. «Die Unternehmen verhalten sich angesichts der angespannten wirtschaftlichen Situation vorbildlich», teilte der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Ulrich Thomas, mit. Die Kritik Pähles sei «so falsch wie unredlich». Zu Pähles Äußerung, dass eine Regelung vor allem für Unternehmen ohne Betriebsrat wichtig sei, sagte Thomas: «Die Feststellung, dass durch gewerkschaftlichen Einfluss der Schutz der Beschäftigten bessergestellt sei, ist einfach nur Unfug.»

Matthias Menger, Geschäftsführer der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände Sachsen-Anhalt, kritisierte den Vorschlag der SPD als «weltfremd». In vielen Regionen Sachsen-Anhalts sei Homeoffice wegen der schlechten Internetanbindung auch gar nicht möglich. «Aus der Sicht eines Bundeslandes mit schlanker digitaler Infrastruktur müsste einer Pflicht zum Homeoffice ein Anspruch auf die von der Politik zu liefernde digitale Infrastruktur gegenüberstehen».

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