12. Oktober 2026 – dpa Nachrichten
Wo einst Otto der Große und sein Sohn Otto II. residierten, ergänzen jetzt Funde das Bild der einstigen Königspfalz. Was entdeckten Archäologen?
Die ehemalige Königspfalz bei Eisleben (Landkreis Mansfeld-Südharz) gibt weitere Geheimnisse preis. Bei Ausgrabungen haben Archäologen ein Steingebäude aus dem 10. Jahrhundert freigelegt. «Damit erweist sich der Ort einmal mehr als Brennpunkt der Landesgeschichte», sagt Projektleiter Felix Biermann. «Hier gab es über viele Jahrhunderte hinweg ein reges wirtschaftliches Leben und prunkvolle Herrschaftsrepräsentation. Das neu entdeckte Gebäude gehört zu den ältesten profanen Steinbauten landesweit.» Aufenthalte Ottos des Großen (912-973) und seines Sohnes Otto II. (955-983) auf der Königspfalz Helfta seien historisch belegt.
Der etwa neun mal fünf Meter große Bau mit Keller und gut erhaltener Zugangstreppe ergänzt das repräsentative Zentrum der Pfalz aus der Zeit der Ottonen. Das neu entdeckte Gebäude liegt neben dem bereits identifizierten steinernen Palast. Zusammen mit einer Kirche aus derselben Zeit bildete es nach Einschätzung der Archäologen ein repräsentatives Ensemble, das den Herrschaftsanspruch der Könige demonstrierte.
Vermutet wird, dass der Bau ein Gästehaus für das adelige Gefolge gewesen sein könnte. Denkbar wäre auch, dass sich dort der Sitz eines Burggrafen befand, der die Anlage während der Abwesenheit des Herrschers verwaltete. Zudem wurde eine mit Steinen befestigte Terrasse freigelegt. Sie könnte als repräsentatives Podest im Innenhof gedient haben, möglicherweise auch für Versammlungen unter freiem Himmel.
Außerdem wurden Überreste von Befestigungsanlagen, Wohnhäusern und Werkstätten freigelegt. Ebenso konnten in der südöstlichen Vorburg erneut zahlreiche sogenannte Grubenhäuser untersucht werden. Die meist drei bis fünf Meter großen Gebäude dienten der einfachen Bevölkerung als Wohn- und Arbeitsstätten.
Funde wie Tongewichte, Gusstiegel und ein Kalkbrennofen weisen auf Tätigkeiten in der Textilverarbeitung, der Metallbearbeitung und der Kalkproduktion hin. Ebenso fanden sich Silbermünzen aus dem 10. bis 15. Jahrhundert, Ohrringe, emaillierte Gewandspangen und eiserne Pfeilspitzen. Besonderheiten sind eine halbmondförmige Fibel, eine nahezu funktionsfähige Knochenflöte und ein verziertes Fragment eines Geweihkästchens aus der Zeit um das Jahr 1000.
Zudem untersuchten die Archäologen zahlreiche Gräber, weitere Befestigungsreste und einen unterirdischen Gang - einen sogenannten Erdstall - aus dem späten Mittelalter. «Die Grabung wird durch zahlreiche Freiwillige unterstützt», so Landesarchäologe Harald Meller. «Auch mit Hilfe dieses herausragenden bürgerschaftlichen Engagements war es möglich, diese spannenden neuen Einblicke zu gewinnen.»
Im 12. Jahrhundert entstand auf der Anhöhe eine kleinere Burg der Familie von Hackeborn. Die Familie von Hackeborn war möglicherweise mit dem Elternhaus der späteren Mystikerinnen Gertrud und Mechthild von Hackeborn verbunden.
Die Grabungen dauern noch bis zum 24. Oktober 2026 an. Die Untersuchungen erfolgen im Zusammenhang mit der durch das Land Sachsen-Anhalt geförderten Entwicklung einer touristischen Infrastruktur durch die Lutherstadt Eisleben.