02. September 2026 – dpa Nachrichten
Jugger wirkt wie eine Mischung aus Fechten, Rugby und Ritterspiel. Der Freizeitsport ist mittlerweile international. Im September ist die Weltmeisterschaft in Dresden. Aus Halle ist ein Team dabei.
Schwerter aus Schaumstoff, Ketten und ein Ball, der entfernt an einen Football erinnert: Was für viele Zuschauer wie eine Mischung aus Fechten, Rugby und Ritterspiel aussieht, ist ein taktisch anspruchsvoller Mannschaftssport. Anfang September wird Dresden zum Treffpunkt der internationalen Jugger-Szene. Bei der «World Club Championship» treten vom 4. bis 6. September bis zu 120 Mannschaften gegeneinander an. Mit «Anima Equorum» ist auch ein Team aus Halle dabei.
Idee zum Spiel kommt aus einem Film
Entlehnt wurde das Spiel aus dem post-apokalyptischen Film «The Blood of Heroes». «Ich hatte 1992 mit Freunden den Film gesehen und wir überlegten uns, wie man dieses Spiel ohne Verletzungsrisiko spielen kann», erinnert sich Lester Balz. Er ist Betreiber der Homepage Jugger.de und hat das Juggern von einem Spiel im Film zu einem realen Sport maßgeblich mitentwickelt. Bei der Weltmeisterschaft in Dresden spielen unter anderem Mannschaften aus Europa, Australien, Japan und den USA.
Ein Ball und viele «Pompfen»
«Das Spielfeld ist 20 mal 40 Meter groß, das entspricht etwa einem Handballfeld», sagt Hans Gottschalt, Trainer und Übungsleiter beim «JuggerSportHalle». Er trainiert die Mannschaft «Anima Equorum».
Auf dem Spielfeld stehen sich zwei Mannschaften mit jeweils fünf Spielern gegenüber. Es gibt in jeder Mannschaft einen Läufer. Die anderen Spieler haben sogenannte Lang- und Kurzpompfen, das sind spezielle schaumstoffgepolsterte Stäbe. «Außerdem gibt es einen Schaumstoffball an einer Schnur, die sogenannte Kette und Schilde. In jeder Mannschaft darf es nur eine Kette geben, ansonsten ist die Auswahl frei», sagt Gottschalt.
In der Mitte des Feldes liegt am Anfang des Spiels der sogenannte Jugg, ein gepolsterter Ball. Nach dem Start stürmen die Läufer zum Jugg. Wer ihn hat, versucht, ihn im gegnerischen Tor zu platzieren. Die übrigen Spieler sind Pompfer: Sie sollen den eigenen Läufer schützen und den gegnerischen Läufer stoppen.
Wird ein Pompfer mit einem Spielstab getroffen, muss er für eine bestimmte Zeit niederknien. Das Zeitmaß wird über einen Lautsprecher als akustischer Takt vermittelt. «Wurde der Pompfer von einer Kette getroffen, muss er acht Schläge lang knien, ein Schlag dauert 1,5 Sekunden», sagt der Trainer. Wenn Pompfer ausfallen, entstehen Lücken in der gegnerischen Verteidigung.
Der Läufer selbst kämpft nicht mit einem Pompfer. Er muss versuchen, durch die Abwehr zu gelangen. Ein gutes Team muss den eigenen Läufer abschirmen, gegnerische Spieler binden, Lücken erzeugen und gleichzeitig den gegnerischen Läufer stoppen. Für die Zuschauer entsteht ein ungewöhnliches Bild: Gepolsterte Stäbe werden geschwungen, Spieler stürmen aufeinander zu, andere knien nach Treffern am Spielfeldrand oder im Feld. Gelingt es, den Jugg im gegnerischen Mal zu platzieren, gibt es einen Punkt. Danach beginnt eine neue Runde.
Taktik statt Draufschlagen
Es gibt eine wichtige Besonderheit bei Jugger. «Das Spiel funktioniert nur, wenn alle fair spielen, sagt Balz. «Die Spieler müssen erkennen, wenn sie von einem Gegner mit dem Schaumstoffstab getroffen wurden und auch selbst runter zählen.»
«Mittlerweile entdecken auch die Schulen Jugger für sich», sagt der Schulbegleiter an der Saale Schule Halle, Felix Puhlmann. «Die Schüler lernen spielerisch einen guten sozialen Umgang, gleichzeitig wird das Konfliktpotenzial unter den Schülern entschärft.»
Ein Spieler erklärt, warum er gerade Jugger spielt: «Ich habe schon verschiedene andere Sportarten ausprobiert, Fußball und Handball zum Beispiel. Aber da ist es oft langweilig, weil sich meistens nur zwei Spieler einer Mannschaft mit dem Ball beschäftigen. Beim Jugger hat dagegen jeder im Team unmittelbar eine Aufgabe und ist ständig gefordert.»
Eine kleine Szene mit großer Turnierlandschaft
Die Juggerszene in Sachsen-Anhalt ist klein und konzentriert sich vor allem auf Halle. Mit «Anima Equorum», dem Jugendteam «Anima Lupi» und «Jugglers Jugg» gibt es drei hallesche Teams. In Magdeburg ist mit «Blut der Studenten» ein weiteres Team in der bundesweiten Jugger-Datenbank registriert.
In Halle wird Jugger seit 2010 gespielt. 2015 wurde der JuggerSportHalle e.V. gegründet. Gottschalt ist einer der Gründungsmitglieder. Auch außerhalb Sachsen-Anhalts wird Jugger gespielt. Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bilden im deutschen Wettkampfsystem eine Region.
Balz hält es für realistisch, dass sich nationale Verbände gründen. «Jugger könnte in rund zehn Jahren olympische Disziplin sein», sagt Balz. «Voraussetzung ist, dass die Sportart weltweit mindestens in 30 Ländern und auf drei Kontinenten etabliert ist.»