02. Juli 2026 – dpa Nachrichten
Die Bundesregierung plant eine verpflichtende Krankschreibung schon ab dem ersten Krankheitstag. Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne nennt das einen «Generalverdacht gegenüber Beschäftigten».
Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne hat die Pläne der Bundesregierung zu strengeren Regeln bei Krankschreibungen kritisiert. «Die Rückkehr zur verpflichtenden Krankschreibung ab dem ersten Krankheitstag schürt einen Generalverdacht gegenüber Beschäftigten», sagte die SPD-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. Gleichzeitig werde dadurch verhindert, dass Ärztinnen und Ärzte «sich mit voller Kraft auf die schweren Krankheitsfälle» konzentrieren können.
Auch die Ärztekammer Sachsen-Anhalt lehnt eine Verschärfung der bisherigen Regelung ab. «Ein Verschärfen der jetzigen Regeln für die Krankschreibung halten wir unsererseits für absolut nicht notwendig», sagte der Vizepräsident Thomas Dörrer. Eine verpflichtende Krankschreibung ab dem ersten Tag würde die ohnehin schon belasteten Arztpraxen weiter an den Rand ihrer Kapazitäten führen. Dörrer warnte vor überfüllten Sprechstunden, längeren Wartezeiten und einer höheren Ansteckungsgefahr in den Wartezimmern. Zudem würden zusätzliche Arztkontakte und mehr Bürokratie entstehen.
Die schwarz-rote Koalition plant deutlich schärfere Vorgaben, die hohe Fehlzeiten in Unternehmen eindämmen sollen, wie Kanzler Friedrich Merz (CDU) deutlich machte. Künftig soll demnach als gesetzliche Regel gelten, dass man schon vom ersten Fehltag an eine ärztliche Bescheinigung braucht statt am vierten Tag.
Krankschreibungen per Telefon sollen Merz zufolge nicht mehr möglich sein. Grimm-Benne entgegnete: «Die telefonische Krankschreibung war ein sinnvolles Instrument, um überfüllte Praxen zu verhindern, Ansteckungen zu vermeiden und das Gesundheitssystem zu entlasten».