05. September 2026 – dpa Nachrichten
Seit über zehn Jahren porträtiert der in Mannheim lebende Fotograf Luigi Toscano Holocaust-Überlebende. Ihre erschütternden Geschichten haben ihm einen klaren Auftrag mitgegeben.
Die Geschichten von Holocaust-Überlebenden haben den Fotografen Luigi Toscano nachhaltig geprägt. Deshalb steht für ihn fest: «Es geht einfach nicht, dass ein Land von einer rechtsextremen Partei regiert wird.» Für eine Aktion reiste er von Mannheim, wo er lebt, ins rund 500 Kilometer entfernte Magdeburg. In der Hauptstadt von Sachsen-Anhalt will er im Namen von Holocaust-Überlebenden ein Zeichen gegen rechts setzen.
«Ich bin mittlerweile über 600 Holocaust-Überlebenden begegnet. Und fast jeder von ihnen hat mir mit auf den Weg gegeben: "Luigi, achte bitte darauf, dass so was nie wieder passiert"», sagte Toscano der Deutschen Presse-Agentur.
Gemeinsam mit Mitgliedern der Initiative «Omas gegen Rechts» hat er deshalb großformatige Porträts der Überlebenden vor den Magdeburger Dom gebracht - darunter unter anderem das Porträt von Margot Friedländer (1921-2025). «Mir ist bewusst, dass ich Menschen, die sich entschieden haben, die AfD zu wählen, mit so einer Aktion nicht umstimmen werde. Aber ich versuche, ein Vorbild zu sein, ein Zeichen zu setzen, Haltung zu zeigen und den Mund aufzumachen», sagte er dem «Mannheimer Morgen» vor der Aktion. «Wenn Menschen, die keine Ahnung von Politik haben, an die Macht kommen, veranstalten sie ganz sicher unglaubliches Chaos», sagte der Fotograf.
In der jüngsten Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF kommt die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund auf 41 Prozent. Damit wäre sie mit Abstand stärkste Kraft. Im Wahlkampfendspurt hatte Siegmund zuletzt mehrfach bekräftigt, eine Alleinregierung anzustreben und nach der Wahl nicht mit anderen Parteien zusammenarbeiten zu wollen.
Toscano wurde 1972 als Sohn sizilianischer Gastarbeiter geboren. Für sein Projekt «Gegen das Vergessen» wurde er von der Unesco ausgezeichnet und mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.
Dass so viele Menschen in Sachsen-Anhalt und Ostdeutschland die AfD wählten, sei für ihn ein «seltsames Phänomen», so der Mannheimer. «Wir haben den Beweis dafür, dass Menschen in der AfD zu Teilen kriminell sind.» Er verstehe nicht, warum so viele Ostdeutsche verbittert seien. «Warum neigen so viele von ihnen dazu, ins offene Messer zu laufen - ohne Angst vor irgendwas. Viele von ihnen haben doch schon einmal in einer Diktatur gelebt. Sie müssten doch wissen, was das bedeutet.»