29. Juli 2026 – dpa Nachrichten

«Cold Case Wald»

Fall «Inga»: Welche Fragen nach elf Jahren weiter offen sind

Seit elf Jahren fehlt von dem Mädchen jede Spur. Wie Inga damals aussah, wann sie das letzte Mal gesehen wurde - und welche Hinweise für die Beamten entscheidend sein könnten.

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Das Schicksal der damals fünf Jahren alten Inga ist bis heute ungewiss. (Archivbild)

Elf Jahre nach dem spurlosen Verschwinden der damals fünf Jahre alten Inga Gehricke startet die Polizei mit einer Fernsehausstrahlung einen neuen Versuch, den Fall aufzuklären. «Von der Vorstellung des Falles erhoffen sich die Ermittler Hinweise, die klären helfen, was dem Mädchen widerfahren ist», sagte eine Sprecherin der Polizeiinspektion in Halle der Deutschen Presse-Agentur. Die Ermittlergruppe dort beschäftigt sich seit Frühjahr 2023 mit dem vermissten Mädchen aus Schönebeck.

Der Fall soll am Mittwochabend um 20.15 Uhr bei «Aktenzeichen XY ... ungelöst» vorgestellt werden. Er wird als sogenannter Cold Case geführt. Das sind Fälle, in denen die Ermittlungen auch nach einigen Jahren noch erfolglos sind. Beamte vom Fachkommissariat für Straftaten gegen das Leben und die Gesundheit arbeiten unter dem Namen «Cold Case Wald». Nachdem sie den Fall von der Polizei in Stendal übernommen hatten, wollten die Ermittlerinnen und Ermittler mit neuem Blick Ansätze prüfen und den Fall noch einmal neu aufrollen.

Für eine breitere Öffentlichkeitsfahndung hatten sie sich an das Bundeskriminalamt gewandt. Der Fall wurde daraufhin Teil der Kampagne «Spurlos verschwunden», was auch dazu führte, dass er nun Teil der ZDF-Sendung ist. Das sei kein neues Prozedere, sagte die Polizeisprecherin.

Wie sah Inga am Tag ihres Verschwindens aus?

Von Inga fehlt seit Mai 2015 jede Spur. Am 2. Mai war sie damals mit ihrer Familie auf Besuch auf dem Wilhelmshof im Landkreis Stendal im Norden von Sachsen-Anhalt. Der Hof ist eine diakonische Einrichtung für Menschen mit Behinderungen und Suchterkrankungen. Dort lebten die Freunde der Familie Gehricke. Bei der Vorbereitung eines Grillfestes wurde das im August 2009 geborene Mädchen am Abend gegen 18.40 Uhr das letzte Mal gesehen.

Die Polizei beschreibt Inga als schlank und zart. Sie habe 2015 blaue Augen, mittelblonde, zu Zöpfen geflochtene Haare gehabt, und ihre oberen vorderen Schneidezähne fehlten. Außerdem hatte das Mädchen laut der Beamten eine Narbe am Hinterkopf.

Am Tag ihres Verschwindens hatte die damals knapp 1,20 Meter große Inga laut Polizei rosafarbene Haarspangen und neongelbe Haargummi in den Haaren. Sie habe ein geringeltes Unterhemd mit Pferdemotiv, ein mintgrünes Langarmshirt mit aufgedrucktem Schmetterling und Rüschen, einen lilafarbenen Slip, eine weiße oder graue Strumpfhose und eine blaue Jeans mit Auswaschungen getragen. Ihre Klettverschluss-Schuhe aus Wildleder seien pink, violett und beerenfarbig gewesen.

In den Jahren nach ihrem Verschwinden haben die Ermittlerinnen und Ermittler immer wieder intensiv nach Inga gesucht - unter anderem durchsuchten sie mehrfach Waldstücke, werteten Hunderte Spuren und Hinweise aus, pumpten Teiche ab. Im Zuge einer privaten Initiative wurde auch über eine Foto-Aktion auf Smoothie-Flaschen nach dem Mädchen gesucht.

Wem sind in der Vergangenheit Ungereimtheiten aufgefallen?

Aus der Bevölkerung erhofft sich die Polizei unter anderem Antworten darauf, wer Inga am Tag ihres Verschwindens oder danach gesehen hat, wer Fahrzeuge oder Personen bemerkt hat, die mit dem Verschwinden des Mädchens in Zusammenhang stehen könnten oder wer seine Wahrnehmungen von damals bislang nicht der Polizei gemeldet hat. Außerdem suchen die Beamten nach Informationen dazu, wer 2015 im Bereich des Wilhelmshofs oder des umliegenden Waldgebietes war und von der Polizei bislang nicht befragt wurde.

Wurden nach dem 02.05.2015 die Kleidungsstücke oder Schuhe, die das Mädchen trug, irgendwo gefunden? Tauchte ab Mai 2015 andernorts ein blondes Mädchen auf, das hier zuvor nicht lebte? Sind jemandem Ungereimtheiten in Erzählungen von Personen aufgefallen, die Bezüge zu Inga oder dem Wilhelmshof haben? Hat jemand Gespräche oder Chatnachrichten mitbekommen, in denen sich Personen über Inga austauschten, wobei es sich um Insiderwissen handeln könnte? Zu all dem erhoffen sich die Beamten Hinweise aus der Bevölkerung. Sie werden unter 0345/224-1291 oder cold-case-wald@polizei.sachsen-anhalt.de entgegengenommen.

Für Hinweise, die zum Auffinden von Inga oder zur Bekanntgabe ihres Aufenthaltsortes führen, hat die Polizei in Halle 25.000 Euro ausgelobt. Der Smoothie-Hersteller hatte weitere 25.000 Euro ausgeschrieben.

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