25. August 2026 – dpa Nachrichten
Vin Kastull trifft für den Halleschen FC, verursacht einen Elfmeter und muss nach einem Zusammenprall mit dem eigenen Torwart das Spielfeld verlassen. Was für ein Pokalabend für den Verteidiger.
Ein Tor geschossen, einen Elfmeter verursacht - und am Ende K.o. gegangen. Wenn man so will, war Vin Kastull so etwas wie die Personifizierung des Pokal-Dramas beim Halleschen FC. Der Viertligist ärgerte die Bundesliga-Rückkehrer des FC Schalke 04 zum Abschluss der ersten Runde lange, unterlag am Ende aber viel zu hoch mit 2:5 nach Verlängerung.
Kastull hatte von Trainer Robert Schröder überraschend einen Platz in der Startelf erhalten und ließ einen großen Abend folgen. Der 21 Jahre alte Innenverteidiger brachte den Außenseiter kurz vor der Pause nach einer Ecke in Führung, verursachte dann neun Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit einen Elfmeter, der zum 1:2 führte. Und in der Verlängerung - die der HFC dank des Ausgleichs von Niclas Stierlin in der Nachspielzeit noch erreichte - knockte ihn sein eigener Torwart aus.
Fünf Sekunden lang weg
«Ich weiß nicht, wo ich war. Ich war fünf Sekunden weg», sagte der sichtlich stolze Recke nach dem Schlusspfiff. Die letzten fünf Minuten musste Kastull von der Ersatzbank aus verfolgen, nachdem ihm die Ärzte Spielverbot erteilt hatten. «Wir mussten ihn schützen, er wollte gleich wieder rein», berichtete sein Trainer.
Schröder lobte seinen Schützling für dessen Einstellung. «Vin ist jemand, der zumindest in den Ligen, in denen wir uns bewegen, langsam ausstirbt: Ein Mensch, der gern verteidigt, das mit Herzblut und Leidenschaft macht», sagte der 38-jährige Coach. Deshalb habe er sich auch dafür entschieden, Kastull von Beginn an spielen zu lassen. In der bisherigen Regionalliga-Saison hatte der Abwehrmann in fünf Spielen nur zwei Kurzeinsätze und insgesamt sechs Minuten Spielzeit gesammelt.
Syllas Trikot als Andenken
Ohne eine kleine Extra-Motivation schickte Schröder Kastull aber nicht auf den Platz. «Ich hatte Vin vor dem Spiel gesagt, dass wahrscheinlich wenige Leute in Deutschland seinen Namen kennen und er dafür sorgen soll, dass Deutschland ihn kennt», sagte Schröder. Das habe er nun geschafft.
Kastull selbst sicherte sich nach dem Spiel noch ein Schalker Trikot. Allerdings nicht das von Matchwinner Edin Dzeko oder Ex-Nationalspieler Robin Gosens. Nein, es musste das von Moussa Sylla sein. Jenem Stürmer, der den Foulelfmeter herausgeholt hatte. «Das hat er natürlich clever gemacht», sagte Kastull. Nach dem Spiel sei die Szene aber vergessen. An Kastulls Leistung dürften sie sich in Halle hingegen noch lange erinnern.