20. Juli 2026 – dpa Nachrichten
Unterhaltsvorschuss nur noch bis zum 16. Geburtstag? Die Sparpläne des Bundes lösen Kritik aus. So viele Jugendliche wären in Sachsen-Anhalt betroffen.
Die geplanten Kürzungen beim Unterhaltsvorschuss für Kinder von Alleinerziehenden würden in Sachsen-Anhalt rund 4.700 Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren sowie ihre Familien betreffen. So viele erhielten in der Altersklasse aktuell den Unterhaltsvorschuss, erklärte ein Sprecher des Sozialministeriums in Magdeburg. Ein Blick auf die nächstfolgenden Jahrgänge zeige, dass die Zahlen nicht sinken: etwa 2.600 15-Jährige, 2.700 14-Jährige und 2.700 13-Jährige bezögen Unterhaltsvorschuss. «Das zeigt, dass künftig sogar mehr Jugendliche betroffen sein könnte, wenn die Reform umgesetzt werden sollte.»
Empfänger leben mehrheitlich bei alleinerziehenden Müttern
Die Gesamtausgaben in Sachsen-Anhalt beliefen sich den Angaben zufolge im vergangenen Jahr auf 126,1 Millionen Euro. Die überwiegende Anzahl der Empfänger seien Jugendliche, die bei alleinerziehenden Müttern lebten und deren Väter nicht zahlten. Nur 9 Prozent der Empfänger in Sachsen-Anhalt lebten bei ihren Vätern. Zuvor hatte der MDR darüber berichtet.
Den Unterhaltsvorschuss zahlt der Staat für Kinder von Alleinerziehenden, wenn ein Partner seiner Unterhaltspflicht nicht nachkommt. Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) plant, den Vorschuss nicht mehr bis zum 18. Geburtstag zu zahlen, sondern nur noch bis 16. Das stößt auf Kritik auch beim Koalitionspartner SPD. Bis 2017 wurde der Unterhaltsvorschuss lediglich bis zum 12. Lebensjahr gezahlt.
Die Ausgaben des Staates sind massiv gestiegen
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte in der vergangenen Woche gesagt, die Kosten für diese Leistung hätten sich binnen acht Jahren vervierfacht. Angesichts der akuten Finanznot der Kommunen und eines Defizits von jährlich 30 Milliarden Euro sei das nicht auf Dauer leistbar.
Sachsen-Anhalts Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) hält den Sparkurs zulasten Alleinerziehender und ihrer Kinder für falsch. Der Unterhaltsvorschuss solle Familienarmut verhindern und sicherstellen, dass Kinder die gleichen Chancen auf Teilhabe, Bildung und sozialen Aufstieg erhalten. «Wenn sich Elternteile einen schlanken Fuß machen, darf der Staat es nicht ebenfalls tun. Der Staat muss den Druck auf Unterhaltspflichtige erhöhen und nicht auf Kinder, die am wenigsten für die Situation können.»