05. Oktober 2026 – dpa Nachrichten

Kriminalität

57 Cold Cases in Sachsen-Anhalt

Haben jahrelange Ermittlungen keinen Erfolg, wird ein Kriminalfall zu einem sogenannten Cold Case. Wann aber wird eine Fallakte wieder geöffnet?

mkvkjenfzd-v10-ax-s2048.jpeg
Bei neuen Erkenntnissen oder Hinweisen nimmt die Polizei bei Cold Cases die Ermittlungen wieder auf. (Symbolbild)

Die Polizeiinspektionen in Sachsen-Anhalt ermitteln derzeit in 57 sogenannten Cold Cases. 23 und damit die meisten Fälle liegen bei der Behörde in Halle, wie ein Sprecher des Landeskriminalamtes mitteilte. In Magdeburg wird in 14 Fällen ermittelt, in Dessau-Roßlau liegen demnach 11, die Behörde in Stendal ist für 9 Fälle zuständig. Cold Cases sind Verfahren, in denen die Ermittlungen auch nach einigen Jahren noch erfolglos sind.

Der Fall «Inga»

Der wohl bekannteste Cold Case ist der Fall der seit 2015 vermissten Inga Gehricke. Er wird unter dem Namen «Cold Case Wald» in Halle geführt. Die Ermittlergruppe dort beschäftigt sich seit Frühjahr 2023 mit dem vermissten Mädchen aus Schönebeck - zuletzt waren die Ermittlerinnen und Ermittler in der ZDF-Sendung «Aktenzeichen XY ... ungelöst» mit der Bitte um Hinweise an die Öffentlichkeit getreten, um möglicherweise neue Erkenntnisse zu erlangen.

Das Mädchen war am 2. Mai mit seiner Familie auf Besuch auf dem Wilhelmshof im Landkreis Stendal im Norden von Sachsen-Anhalt. Der Hof ist eine diakonische Einrichtung für Menschen mit Behinderungen und Suchterkrankungen. Dort lebten die Freunde der Familie Gehricke. Bei der Vorbereitung eines Grillfestes wurde das im August 2009 geborene Mädchen am Abend gegen 18.40 Uhr das letzte Mal gesehen. Nach der Ausstrahlung von «Aktenzeichen XY ... ungelöst» im Juli seien mehr als 180 Hinweise zu dem Verschwinden des Mädchens eingegangen, sagte der LKA-Sprecher. Diese würden zurzeit ausgewertet und überprüft.

Wann Ermittlungen wieder aufgenommen werden

Bei den Fällen handelt es sich laut dem Sprecher um ungeklärte Tötungsdelikte und Vermisstenfälle mit Verdacht auf ein Tötungsdelikt. Polizei und Staatsanwaltschaften tauschten sich dazu regelmäßig aus. Gäbe es neue Erkenntnisse oder Hinweise, die zur Aufklärung eines Falls führen könnten, würden die Ermittlungen wieder aufgenommen, erklärte der Sprecher.

Um ausgewählte ungelöste Fälle vielleicht doch noch lösen zu können, hatten die Polizeiinspektionen und Staatsanwaltschaften in Sachsen-Anhalt vor kurzem einen «True Crime-Hackathon» in Halle veranstaltet. Dabei waren externe Experten aus den Bereichen Psychologie, Naturwissenschaften, Medizin und Informatik eingeladen worden, um neue Ansätze zu finden.

Das Wichtigste aus Sachsen-Anhalt

Service aus dem Studio

undefined
Radio Brocken
Audiothek