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Ehrenamt als finanzieller Vorteil für den Staat

Ehrenamtliche haben hierzulande einen guten Ruf. Da will auch die Politik nicht zurückstehen. So hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend öffentlich erklärt, das bürgerschaftliche Engagement stärken zu wollen. Das macht sich nicht nur gut in der politischen Debatte, sondern hat zudem einen enormen finanziellen Vorteil, denn in Deutschland sind allein die 16 Bundesländer mit weit über 600 Milliarden Euro verschuldet. Immer mehr Sozialleistungen gelten daher als kaum mehr finanzierbar. Das Ehrenamt kann dort aushelfen, wo der Sozialstaat seiner Verantwortung nicht gerecht wird. So wird soziale Not hier und da gelindert – kostenlos, versteht sich.

Wo sich der Sozialstaat zurückzieht

Wo fängt die Verantwortung des Staates an, wo hört sie auf? Inwieweit kann und soll sie durch zivilgesellschaftliches Engagement ersetzt werden? "Über diese Fragen lässt sich vortrefflich streiten", sagt Professor Sebastian Braun, Leiter des Forschungszentrums für Bürgerschaftliches Engagement an der Humboldt Universität in Berlin. In verschiedenen staatlich unterfinanzierten Bereichen, so Braun, werden in Zukunft voraussichtlich immer mehr Menschen ehrenamtlich arbeiten – etwa bei der Betreuung in Ganztagsschulen oder in der Altenpflege. "Hier hat sich bereits in den letzten zehn Jahren eine aktive zivilgesellschaftliche Szene entwickelt."

Freiwilliges Ehrenamt erlebt einen Aufschwung

Immer mehr engagieren sich in den Bereichen Sport, Kultur, Musik, Freizeit, Gesundheit, Soziales, Schule, Kindergarten, Bildungsarbeit, Umweltschutz, Naturschutz, Tierschutz, in der Politik, Kirche, Justiz, bei Unfall- und Rettungsdiensten.

Zum Ehrenamt gehören auch das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ), das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ), Bundesfreiwilligendienst (BFD), Gemeinderatsmitglieder; zum Teil auch Bürgermeister, Wahlhelfer/Volkszähler, Mitglieder der Kirchenverwaltung, Freiwillige Feuerwehr/THW-Helfer, Jugendsozialarbeiter (gehen z.B. mit Jugendlichen zum Amt; auch Mitläufer genannt), Telefon-/Internetseelsorge, Schülerlotsen, die Bahnhofsmission, Amtsträger und aktive Mitglieder in einem Verein (Sportverein, Schützenverein, Karnevalsverein, Kegelvereine, Bootsvereine).

In Sachsen-Anhalt sind ca. 37 Prozent, also rund 800.000 Personen ehrenamtlich tätig.

Vorallem der gemeinwohlorientierte Sport in Sachsen-Anhalt stellt mit seinen über 345.000 Mitgliedern in mehr als 3.100 Sportvereinen eine bedeutende gesellschaftliche Kraft dar.

Gemeinnützige Vereine/Organisationen in Sachsen-Anhalt

Die Ehrenamtler schöpfen mit rund 19 Mio. Arbeitsstunden einen Wert von 300 Mio. Euro im Jahr.

Aufgebrachter Zeitaufwand

  • 63,3 %: Bis zu 2 Stunden pro Woche
  • 20,8 %: 3 bis 5 Stunden pro Woche
  • 15,9 %: 6 und mehr Stunden pro Woche