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 (Foto: picture alliance / dpa)

Bei Hitze drehen sich Gespräche im Büro schnell um Mythen. Dieser Juni ist ungewöhnlich heiß. Diese Woche sorgt das Hoch Ulla in vielen Städten für Temperaturen um die 40 Grad. Während Schulkinder in Sachsen-Anhalt das schöne Wetter genießen können, müssen die meisten Erwachsenen trotz Hitze arbeiten. Aber gibt es Hitzefrei für Arbeitnehmer und welche Regeln gibt es für heiße Tage? Das erfahren Sie hier:

Müssen Arbeitgeber Hitzefrei geben?
Fakt: Ein Recht auf Hitzefrei gibt es nicht!
-> Allerdings sind Arbeitgeber durch ihre Fürsorgepflicht und die Arbeitsstättenverordnung dazu verpflichtet, für eine "gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur" zu sorgen. Konkret bedeutet das: Im Büro sollte es nicht heißer als 26 Grad sein. Ab 30 Grad muss der Arbeitgeber gegen die Hitze vorgehen. Das könnte er zum Beispiel tun mit:
- Arbeitszeitenverlagerung, indem früher mit der Arbeit begonnen wird
- Getränke/Obst/Eis bereitstellen
- die Büros in den kühlen Morgenstunden gut durchlüften

Räume, die heißer als 35 Grad sind, eignen sich nicht mehr als Arbeitsplätze. In dem Fall müssen sich Arbeitgeber eine Alternative überlegen.
Achtung: Ohne Absprache zu Hause zu bleiben, geht aber nicht. Das kann arbeitsrechtliche Konsequenzen haben.

Müssen Arbeitgeber kostenfrei Wasser zur Verfügung stellen?
Fakt: Nein.
-> Der Arbeitgeber ist durch das Arbeitsschutzgesetz dazu verpflichtet, dass Angestellte gesund und sicher arbeiten können. Kostenlose Getränke gehören aber nicht dazu, zumindest gibt es keinen gesetzlichen Anspruch darauf. Natürlich spricht nichts dagegen, Getränke an heißen Tagen freiwillig zur Verfügung zu stellen.

Gilt der Dresscode auch bei sehr hohen Temperaturen?
Fakt: Ja und Nein.
-> Wenn Sie am Hochofen, in einer Restaurantküche oder im Krankenhaus arbeiten: ja. Wenn Sie im Büro arbeiten, jein.
Alles, was der Sicherheit oder Hygiene dient oder Teil einer Uniform ist, wird im Arbeitsvertrag festgeschrieben und gilt bei jeder Temperatur. Hat der Arbeitgeber lediglich ein berechtigtes Interesse am Erscheinungsbild seiner Mitarbeiter im Vertrag formuliert (wie bei Bankmitarbeitern), kann er diese Bekleidungsvorschrift an heißen Tagen lockern. Lassen sich Vorschriften nicht betrieblich rechtfertigen – etwa dann, wenn es keinen Kundenkontakt gibt –, dürfen sich Chefinnen und Chefs nicht erheblich einmischen. Durch das Weisungsrecht können sie lediglich das verlangen, was dem Berufsbild entspricht. Da es beispielsweise in der IT-Branche, in Start-ups oder Redaktionen üblicherweise keinen Dresscode gibt, wäre hier gegen Shorts oder Minirock nur schwer etwas einzuwenden.
-> Grundsätzlich gilt: Kleidung und Aussehen müssen für die berufliche Position angemessen sein.

Kann ich zu Hause arbeiten, wenn es im Büro zu heiß ist?
Fakt: Nur bei Genehmigung vom Chef.
Dass Sie in der Sonne auf dem Balkon arbeiten dürften, ist allerdings unwahrscheinlich. Für das Homeoffice gelten die gleichen Rahmenbedingungen wie im Büro, auch hier darf grundsätzlich nur gearbeitet werden, wenn es nicht heißer als 35 Grad ist.

Was ist die beste Strategie, das Büro kühl zu halten?
Es gibt viele gute Möglichkeiten. Bei hohen Temperaturen sollten die Fenster geschlossen bleiben. Das hält die Hitze draußen. Auch ein außen angebrachter Hitzeschutz wie ein Rollo kann helfen. Ventilatoren lassen den Raum zwar nicht abkühlen, dafür aber den Menschen. Indem sie warme Luft um uns herum pusten, unterstützen sie uns dabei, Wärme an unsere Umgebung abzugeben. Außerdem kann der Schweiß auf unserer Haut dank des kühlen Windes leichter verdunsten. Bei Temperaturen über 37 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit bleiben diese Effekte aber aus. Dann ist eine Klimaanlage die bessere Option. Achten Sie aber darauf, dass der Unterschied zwischen Innen- und Außentemperatur nicht höher als fünf Grad ist. Das kann sonst zu Kältestress führen und das Immunsystem schwächen.

Jetzt noch eine gute Frage:

Wie wirkt sich die Hitze auf die Konzentration und Leistungsfähigkeit aus?
Am effektivsten arbeiten wir wahrscheinlich bei einer Umgebungstemperatur zwischen 23 und 26 Grad Celsius. Zumindest liegt die Fehlerquote laut einer Untersuchung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in dem Bereich am niedrigsten (BAuA: Hellwig et al., 2012).
Bei extremen Temperaturen über 30 Grad wird der Organismus stark belastet. Der Körper beginnt zu schwitzen und die Herzfrequenz steigt an. Außerdem weiten sich die Gefäße, wodurch der Blutdruck sinkt und das Gehirn schlechter versorgt wird. Das führt unter anderem zu Kopfschmerzen. Kombiniert mit dem Flüssigkeitsverlust durchs Schwitzen und einer erhöhten Körpertemperatur sorgt das dafür, dass die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit abnehmen.

Und zum Schluss etwas, was Sie bestimmt immer schon mal wissen wollten?

Haben Lehrer auch frei, wenn die Schüler Hitzefrei bekommen?
Jein.
Auch wenn Schülerinnen und Schüler hitzefrei bekommen, gelten für Lehrerinnen und Lehrer die Dienst- und Aufsichtspflichten. Können Kinder nicht nach Hause gehen, etwa weil die Eltern noch arbeiten, müssen Lehrer sie weiterhin betreuen. Erst wenn die Schule leer ist, können auch die Lehrer heim – allerdings zum Arbeiten. Man kann schließlich auch zu Hause Klassenarbeiten korrigieren oder die nächste Stunde vorbereiten.