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70 % aller Autos dürfen in den A14-Baustellen zwischen Halle und Bernburg eigentlich nicht überholen – und tun es trotzdem! Die Strafe dafür liegt bei 20 Euro. Wenn aber ein Unfall passiert, kann es sein, dass die Versicherung im Schadenfall weniger bezahlt.

Hier klären wir warum das so ist, weshalb es keine Lapalie ist, wieso Ihre Fahrzeugpapiere Sie anlügen und: Ob Ihr Auto auch betroffen ist.

Was ist das Problem?

Auf den beiden A14 Baustellen bei Halle-Trotha UND zwischen Plötzkau und Könnern gilt für die linke Spur eine maximale Fahrzeugbreite von 2 Metern.

Aber: Rund 70 % aller in Sachsen-Anhalt zugelassenen Fahrzeuge sind zu breit, um offiziell in der Baustelle zu überholen.

Um zu wissen, wie breit Ihr Auto ist, müssten Sie wahrscheinlich in den Fahrzeugpapieren nachgucken. ABER: selbst das hilft Ihnen nicht weiter.

DENN: Während in Ihren Fahrzeugpapieren die Breite OHNE Seitenspiegel steht, meinen die Baustellenschilder die Breite MIT Seitenspiegeln.

Beispiel: Bei einem VW Golf steht in den Fahrzeugpapieren die Breite: 1.807 mm – also gut 1,80 Meter. MIT den Spiegeln ist der Golf aber 2,03 Meter breit – also knapp zu breit um in den Baustellen zu überholen.

Warum ist das keine Lapalie?

Nicht eingehaltener seitlicher Sicherheitsabstand ist die zweithäufigste Unfallursache in Baustellen. Das haben uns die Unfall-Experten des ADAC bestätigt.

Auch die Landesstraßenbaubehörde hat uns gesagt: Wenn Sie die Zahl auf den Schildern verändern, sodass die meisten Autos auf der A14 in der Baustelle offiziell überholen dürfen, würde es auch definitiv mehr Unfälle geben.

Jetzt werden viele von Ihnen sagen: "Aber ich überhole doch schon seit jeher und bisher ist noch nichts passiert." Fakt ist: der Fahrstreifen ist auch breiter als 2 Meter – um genau zu sein 2,30 Meter. Diese 30 Zentimeter mehr sind Sicherheitsspielraum. Niemand kann wie auf Schienen fahren ohne leicht rechts oder links auszuschwenken.

Außerdem: In der Baustelle zu überholen, obwohl Ihr Fahrzeug zu breit ist, führt zu einem schnelleren Verschleiß der Autobahn. Je breiter Ihr Auto ist, desto weniger Spielraum haben Sie links und rechts auf der linken Spur. Sprich: Sie fahren in genau denselben Spuren, wie alle anderen auch. Dies führt – besonders bei der aktuellen Hitze – zu einem verstärkten Bilden von Spurrinnen auf der Fahrbahn. Wenn die erst mal auftreten, hält der Beton auf der Autobahn nicht so lange wie normalerweise. Die Autobahn geht schneller kaputt UND es gibt schneller als sonst die nächste Baustelle.

Warum gibt es einen Unterschied zwischen meinen Fahrzeugpapieren und den Schildern auf der Autobahn?

Um diese Frage zu beantworten haben uns unsere Recherchen bis ganz nach oben geführt: ans Kraftfahrtbundesamt in Flensburg. Die Antwort: „Die Fahrzeugbreite ist auf nationaler Ebene in §32 der Straßenverkehr-Zulassungsordnung geregelt.“ Darin steht einfach gesagt: Die Breite der Spiegel gehört nicht zur Fahrzeugbreite. Dieser Paragraph im Jahr 1978 das letzte Mal aktualisiert worden. Zur Erinnerung: Trabis hatten damals z. B. oft nur einen Spiegel auf einer Seite. Die Behörde sagt also: Das steht so in den Paragraphen also bleibt das auch so.

Die Straßenbaubehörde sagt auf der anderen Seite: Sie müssen sich logischerweise an die tatsächlichen Maße der Autos halten, denn so breit sind die Autos nun mal in der Realität.

Wir haben also zwei Behörden die anscheinend nicht miteinander kommunizieren: Straßenbauer, die teilweise nicht einmal wissen, warum die Zahlen auf den Schildern und den Fahrzeugpapieren nicht die gleichen sind. Und die Zulassungsbehörde, die nicht erkennt, wieso das ein Problem ist und keine Notwendigkeit sieht, dies zu ändern.

Warum können die Fahrspuren nicht einfach breiter gemacht werden?

Wo das geht, wird das gemacht – zum Beispiel auf der A9-Baustelle bei Bad Dürrenberg. Dort steht auf dem Autobahnschild statt 2,00 Metern: 2,10 Meter. Dadurch dürfen ca. 70 % aller Fahrzeuge überholen (zur Erinnerung: bei 2 Metern ist es 70 % der Autos verboten!!!).

Allerdings muss der Platz dazu da sein. Die A9 ist auf beiden Seiten dreispurig – hier ist es nicht so schwierig die Spuren breiter zu machen.

Außerdem ist die Situation in diesem Jahr schon wesentlich besser als in den letzten Jahren. Die A14 hat jetzt in beiden Richtungen zwei Spuren in der Baustelle – vorher gab es in Richtung Magdeburg nur eine Spur.

Die Straßenbauer haben bei den Bauarbeiten in den letzten Jahren darauf hingearbeitet, die Standstreifen breiter und belastbarer zu machen, damit wir 2018 in beiden Richtungen zwei Spuren haben.

Dürfen Sie mit Ihrem Auto in der A14 Baustelle überholen?

Schauen Sie einfach jetzt hier nach!