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Sachsen-Anhalts Politiker sind sich bei dem Thema nicht einig. Die Linke im Landtag ist für eine Abschaffung des Tanzverbots, plant aber im Moment keine Initiative dafür im Landtag. CDU und Grüne wollen den stillen Tag in Sachsen-Anhalt weiter beibehalten. Der Karfreitag würde keinen Sinn machen, wenn plötzlich größere Sport-Events erlaubt sind oder Discos zum Tanzen aufmachen dürfen. Die Kirchen im Land betonen auch, dass die Feiertagsruhe am Karfreitag wichtig ist. Auch wenn mittlerweile nur noch 16 Prozent der Sachsen-Anhalter Kirchen-Mitglieder sind.

„Die Forderung einer Abschaffung des Tanzverbotes war nach Antragstellung durch die Grüne Jugend Bestandteil des Wahlprogramms zur Landtagswahl. Die Koalition aus CDU, SPD und Grünen hat sich während der Koalitionsverhandlungen auf eine Beibehaltung des Tanzverbots geeinigt. Es ist derzeit keine parlamentarische Initiative durch die Koalition geplant“, hat uns ein Sprecher von Bündnis 90 / Die Grünen mitgeteilt.

„Feiertage gehören zum „Silberbesteck“ des Bundes und der Länder. Man tauscht es nur aus gutem Grund aus oder legt einzelne Teile gar ganz beiseite“, sagt Jürgen Scharf, Vorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises der CDU Sachsen-Anhalt. „Der Karfreitag gehört zu den wichtigen Feiertagen der Kirchen, besonders der evangelischen Kirchen. An diesem Tag gedenken die Christen der Kreuzigung Jesu. An so einem Tag soll man „stille“ sein.“ Diese Stille wäre nach Ansicht der CDU nur schwer einzuhalten, wenn sie durch öffentliche Tanzveranstaltungen oder sportliche Großveranstaltungen durchbrochen würde. „Der weltanschaulich neutrale Staat schützt deshalb im Sinne der Toleranz und der gegenseitigen Rücksichtnahme auch diesen Feiertag. In der Interessenabwägung ist er der Auffassung, dass diese öffentlich abverlangte Stille auch den konfessionslosen Bürgerinnen und Bürgern abverlangt werden kann. Im nichtöffentlichen Raum, z. B. zu Hause, kann jeder machen, was er will. Für z. B. öffentliche Tanzveranstaltungen oder sportliche Großveranstaltungen stehen fast alle anderen Tage im Jahr zur Verfügung, so dass diese Einschränkung für alle zumutbar ist.“


„Eine Abschaffung dieses stillen Feiertages fänden wir traurig, auch weil damit auch ein Stück Kultur verloren ginge. Die Kultur, in Ruhe und Stille der Toten zu gedenken. Sonn- und Feiertage sind lebensentkrampfend, gemeinschaftsfördernd und gesellschaftsstabilisierend“, hat uns das katholische Bistum Magdeburg mitgeteilt. „Gegenüber der Hektik des Alltags ermöglichen sie Zeiten der individuellen und gemeinschaftlichen Muße und Besinnung. Eine gesellschaftliche Ruhephase hat eine andere Qualität als ein persönlicher Urlaubstag inmitten pulsierenden Arbeitslebens.“ Gemeinsame Freizeiten würden zudem die berechenbare Möglichkeit schaffen, familiäre und verwandtschaftliche oder freundschaftliche und zivilgesellschaftliche Beziehungen besser zu pflegen als an anderen Tagen, findet das Bistum. „Letztendlich nutzt dies einer Gesellschaft mehr als eine permanente Unruhe, in der alle zu jeder Zeit individuell ihre materiellen Bedürfnisse befriedigen können. Eine Gesellschaft ist dann gesund und leistungsstark, wenn sie verlässliche Arbeitszeiten und verlässliche Ruhe- und Feiertage garantieren kann.“

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