Landwirtschaft maeher heu nahrung - Jan Jansen.png
(© Jan Jansen - Fotolia)

Auch wenn wir jetzt ein paar Tage mit Regenschauern hatten - dieser heiße Rekordsommer beschert den Landwirten in unserem Bundesland Rekordsorgen. Es ist zu heiß, es ist zu trocken. Die Ernteverluste betragen bis jetzt schon zwischen 30 und 60 Prozent, hat der Bauernverband im Radio-Brocken-Interview gesagt. Wenn es jetzt mit der nächsten Hitzewelle weiter geht - und danach sieht es aus - dann fallen auch die Mais- und Rübenernten schlecht aus.


Staubtrocken ist es auf Sachsen-Anhalts Äckern: Seit Wochen kein Regen und dazu kommen Feldbrände an jeder Ecke des Landes. Seit gestern gilt außer in Halle und im Saalekreis in ganz Sachsen-Anhalt Waldbrandstufe 5. "Die guten Bördeböden rum um Magdeburg konnten aus den reichlichen Regenfällen des Frühjahrs einiges speichern, aber schon hier haben wir Ernteausfälle von 30 Prozent bei Raps und Weizen," erklärt Urban Jülich vom Bauernverband in der Börde. Noternten sind die Folge, aber guten Umsatz wird es mit diesen Ernten nicht mehr geben: "Das Korn ist noch zu nass. Die Halme sind zwar trocken, aber die Ehren haben noch viel Leben in sich. Damit wird das Mehl nicht so hochwertig, wie aus einem gut getrockneten Korn."

Die Ausfälle mehren sich

"Schon nördlich der A2 haben wir fast 60 Prozent Ernteausfälle durch die starke Dürre. Und wenn es nicht bald regnet, sind auch die nächsten Ernten in Gefahr," so der Landwirtschaftsexperte. Mais und Zuckerrübe ist die späte Ernte der Börde. Schon jetzt bekommen die Pflanzen zu wenig Wasser. "Wenn es nicht bald regnet, sind 50 Prozent dieser Ernte ebenfalls verloren."

Der Schaden bleibt an den Bauern hängen

Für Jülich ist klar, die Wirtschaft wird die Schäden nicht kompensieren, ganz im Gegenteil: "In der Vergangenheit erlebte man beim Bäcker oft das Phänomen das eine Verteuerung der Rohstoffe beklagt wurde. Dabei steckt in einem Brötchen nicht mal ein Cent Mehl. Man verdient mit unserem Elend. Und wir bleiben auf Verlusten sitzen." Das Korn kommt einfach aus anderen Regionen der Welt, wenn die Börde nicht liefern kann. Damit verändert sich am Einkaufspreis sogut wie nichts. Aber Produzenten rechtfertigen häufig mit großen Dürren versteckte Preiserhöhungen.

Das Land muss helfen

Jetzt ist schnelle Hilfe gefragt. Im Oktober muss die Pacht für das Land bezahlt werden. Ohne Einnahmen wird das schwierig. "Schon jetzt sind die Taschen einiger Bauern nicht prall gefüllt. Der Preiskampf am Markt und schlechte Ernten aus den vergangen Jahren macht eine Rücklage schwierig." Aus diesem Grund sollen Fördermittel der EU die sonst zum Jahresende gezahlt werden, bereits im Oktober zur Verfügung stehen, fordert der Verband. Mittelfristig wünschen sich die Bauern, ähnlich wie beim Hochwasserschutz, einen Klimafond, der Schäden aus Dürren ausgleicht.

Jedoch kaum Aussicht auf schnelle Hilfe

Für das Ministerium ist die Lage der Bauern verständlich, aber eine schnelle Hilfe wird nicht in Aussicht gestellt: "Für die Direktzahlungen, die aus dem Europäischen Ausrichtungs- und Garantiefonds für Landwirtschaft erfolgen, könnten Vorschüsse bis zu 50 Prozent der Direktzahlungen nur gewährt werden, wenn alle vorgesehenen Kontrollen, das heißt Verwaltungs- und Vor-Ort-Kontrollen, von allen Antragstellern abgeschlossen sind. Ein Abschluss der Kontrollen vor dem 1.12. ist nicht möglich." Kurz: Es gibt kein Geld für die Bauern, vor dem 1. Dezember. Auch ein Notfond wie es ihn für den Hochwasserschutz gibt, wird es nicht vor 2021 geben, teilte das Ministerium mit. Ab Montag wird sich die Ministerin selbst ein Bild der Lage machen. Auf einer gestern angekündigten Rundreise durch Sachsen-Anhalt besucht sie Betriebe in der Altmark, Anhalt-Bitterfeld und Salzwedel. Hier wird sie sich auch den kritischen Fragen der Bauern stellen müssen, denn diese fühlen sich vom Ministerium aktuell allein gelassen.

Ähnliche Themen