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Es war die Blütezeit der Kulturhistorischen Museums in Magdeburg. „Ein Haus von europaweitem Rang“ schwärmt der ehemalige stellvertretende Direktor Tobias von Elstner. Als das Museum 1906 eröffnete, herrschte nicht mehr Gründer sondern Gönnerzeit in Magdeburg. Reiche Spender wollten der Stadt etwas zurück geben und aus diesem Grund war die Einkaufsliste der neuen Magdeburger Museums groß. 1912 gelang der Coup: Ein Van Gogh gelang in die Sammlung und sollte hier fast 30 Jahre eines der Highlights der Ausstellung sein. Dann kam der zweite Weltkrieg und die Nazi-Diktatur lagerte ihre Schätze in einen Salzstollen bei Staßfurt ein. „Was dann passierte, kann nur noch lückenhaft rekonstruiert werden. Sicher ist, es kam zu einen Brand und Teile der Drecke stürzten ein. Ob sich die Kunstwerke zu diesem Zeitpunkt noch im Stollen befanden, dass ist bis heute nicht geklärt.“ Amerikanische Truppen machten sich nach der Besetzung Deutschlands auf, die Kunstschätze zu suchen. „Es ist nicht klar ob vielleicht in diesem Zusammenhang Bilder gefunden wurden und anschließend mit einem Brand die Spuren verwischt wurden,“ erklärt von Elstner. Auch Hollywood interessierte sich für diese Story. Monuments Men heißt der Streifen und zeigt wie Amerikaner auf Schatzsuche durch Deutschland sind.

Lange Zeit keine neue Spur

In den Nachkriegsjahren wird es still um die Bilder und auch um den Van Gogh. Erst als von Elstner 1993 in Magdeburg angestellt wird, kommt wieder Bewegung in die Nachforschung. „ Ich habe alte Dokumente aus DDR-Zeiten in die Hand bekommen, die einen Austausch zwischen dem Kunstmuseum in Amsterdam und dem Bildungsministerium der DDR belegen. Thema war auch der Van Gogh aus Magdeburg, der nun in Amsterdam zu seinen scheint.“ Von Elstner beginnt umfangreiche Nachforschungen, tauscht sich mit Kollegen aus und kommt auf die Spur eines Restaurators der das Bild gesehen haben will. Im Gespräch verwickelt er sich jedoch immer wieder in unterschiedliche Versionen und am Ende verdichtet sich die Ansicht: Das Bild ist nicht in Amsterdam.

Wahrscheinlich verloren doch nun wieder in Magdeburg

Ganz verloren war das Bild nicht, denn es gibt eine Fotografie in Farbe aus den 20er Jahren, die das Bild sehr detailliert zeigt. „Wir haben dies in der mittlerweile Vergriffenen Abhandlung ‚Verbrannt und Verloren‘ aus unserem Haus auch als Titelbild verwendet. Über diese Fotografie kam ein Kunstmuseum in Osaka – Japan auf uns zu, die das Werk gern zu neuem Leben erwecken wollten.“ Das Museum of Arts in Osaka hat sich auf die Reproduktion von europäischen Kunstschätzen spezialisiert. Nicht weniger als die Sixtinische Kapelle in Originalgröße kann man eine Flugstunde von Tokio entfernt in Originalgröße bewundern. Und nun sollte auch der Van Gogh hier ausgestellt werden. Hierfür wurde ein spezielles Verfahren gewählt, dass die Farben und die Plastizität der ehemaligen Ölgemäldes perfekt wiedergeben kann: Es ist aus Keramik gebrannt. „Damit wird es die nächsten 2000 Jahre nichts an seiner Qualität und Farbigkeit verlieren,“ schwärmt der Kunstexperte. Für Magdeburg wurde eine Kopie angefertigt, die nun im Kulturhistorischen Museum in Magdeburg zu besichtigen sein wird. Und auch wenn die Keramik anders als das Ölgemälde nicht zu empfindlich ist: Anfassen bleibt auch hier verboten.