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Was ist Fridays for Future

  • Vorbild ist Greta Thunberg (16 jährige Schwedin), sie schwänzt seit August 2018 Freitags die Schule um für den Klimaschutz zu kämpfen („Why should I be studying for a future that soon may be no more?“)
  • Sie ist in der Times Magazin Liste unter den 25 einflussreichsten Teenagern 2018
  • Am 26.11.2018 startete Aktive der BUNDjugend ersten großen Streik in Deutschland (Berlin), 200 Schüler/innen vor Ministerium für Wirtschaft und Energie
  • Seit dem wird unter dem Motto „Fridays for Future“ vor Parlamenten demonstriert statt in die Schule zu gehen, die Streiks richten sich nicht gegen Schulen und Lehrer, sondern gegen fehlende, politische und soziale Maßnahmen zum Klimaschutz
  • Motive: Klimawandel ist reale Bedrohung für die Erde und Menschheit, Treibhausgas-Emissionen steigen seit langem aber dennoch werden Kohle, Öl und Gas abgebaut
  • Die Schüler haben den Eindruck, dass die Politiker nichts machen, also fühlen Sie sich verpflichtet selbst aktiv zu werden, denn schließlich würde sonst ihre eigene Zukunft drunter leiden
  • weltweit demonstrieren Schüler/innen, in Deutschland über 155 Ortsgruppen
  • Forderung: „Handelt endlich – damit wir eine Zukunft haben! „
  • Am Freitag (15.03.19) wird nicht nur bundesweit, sondern auch global gestreikt, erster weltweiter Schulstreik in Planung
  • in Deutschland knapp 150 Städte bereits angekündigt (Sachsen-Anhalt: Dessau, Magdeburg, Halle, Zerbst, Wittenberg, Wernigerode), weltweit bislang 59 Länder

Liborius-Gymnasium Dessau

Die Konsumwandel AG ist bereits seit über 1,5 Jahren aktiv und beschäftigt sich damit, was wir tun können, um verträglicher mit dieser Welt zusammen zu leben / in dieser Welt zu leben.

Benedikt Kraft, Schulleiter

Benedikt Kraft ist es wichtig, die Schüler in ihrem Kampf gegen den Klimawandel zu unterstützen. Die Schüler zu „unterstützen“ besteht für ihn darin, den Schülern „keine Steine“ in den Weg zu legen. Mit „keine Steine in den Weg legen“ meint er z.B., dass er die Demonstration am Freitag als eine „Schulische Veranstaltung“ angemeldet hat, somit sind die Kinder unterwegs versichert, müssen nicht mit einem unentschuldigtem Fehltag auf dem Zeugnis rechnen und laufen keine Gefahr einen unangekündigten Test am Freitag zu verpassen.

Wieso unterstützen Sie die Schüler bei dieser Initiative?

Er findet es sehr begrüßenswert, dass Schüler nach langer Zeit mal wieder politisch aktiv werden, nachdem es eine lange Zeit schwierig war, Schüler für politische Themen zu begeistern. In den Jahren blieben Schüler politisch eher untätig.

Herr Kraft sagt, wenn er sieht, dass die Schüler wissen was sie wollen, eine klare Vision haben und bereit sind dafür politisch aktiv zu werden, dann findet er das lobenswert und möchte sie nicht daran hindern.

Er ist sich bewusst, dass er als Schulleiter in seiner Rolle politisches Neutralitätsgebot und Überwältigungsverbot hat, deshalb fordert er die Schüler auch nicht konkret auf zu demonstrieren, allerdings unterstützt er „die Mobilisierung der Schüler durch sich selbst“!

Trotzdem kann er als Privatperson sagen, dass er es begrüßt wenn die Schüler demonstrieren, denn das entspreche auch seiner politischen und religiösen Einstellung. Ihm ist der Umweltschutz auch als Privatmensch wichtig, er ist Pendler und nutzt größtenteils öffentliche Verkehrsmittel. Sein großes Familienauto hat er gegen einen kleinen roten Fiat 500 eingetauscht.

Das sagt Herr Kraft zu negativen Reaktionen:

„Es ist nicht gut, dass die Demos während der Schulzeit sind und nicht am Wochenende.“

Eine Provokation/Regelbruch gehöre immer zum politischen Geschäft, um Aufmerksamkeit auf eine Sache zu ziehen. Ihm ist es aber wichtig, dass die Schüler sich auch über die Konsequenzen ihres Verhaltens bewusst sind und diese auch tragen. D.h. wenn Fernbleiben von Schule auch mal eine 6 zu kassieren bedeutet oder einen unentschuldigten Schultag auf dem Zeugnis zu haben, müssen die Schüler das in Kauf nehmen (hier verweist er auf Gandhi - für etwas kämpfen, bedeutet auch die negativen Konsequenzen dafür zu tragen). Aber von einem unentschuldigten Tag auf dem Zeugnis, geht die Welt auch nicht unter, so der Schulleiter, da müssten schon gehäufte Vorkommnisse in der Art vorliegen.

Was ist wichtiger: Bildung oder der Kampf gegen den Klimawandel?

Er möchte einen Zwischenweg finden! Einerseits die Schüler in ihren Interessen unterstützen, andererseits ist es auch eine Frage des eigenen Arrangements der Schüler (wie viele Opfer sie bringen wollen).

Marco Tullner: „Es besteht trotzdem Schulpflicht, am Ende ist es eine Ordnungswidrigkeit“

Der Schulleiter sagt dazu, dass er genau aus diesem Grund, in seiner Rolle als Schulleiter, einen solchen Tag, an denen Schüler (für ihre politischen Interessen) der Schule fern bleiben, als unentschuldigt festschreibt. Die Polizei anrufen und einen Schüler deswegen gleich verhaften lassen, würde er aber trotzdem nicht machen ;)

Hat der Schulleiter das Gefühl, dass die Politiker die demonstrierenden Schüler ernst nehmen?

Ja, weil die Schüler genau das mit dem Regelverstoß provozieren. Die Provokation gehöre zum politischen Geschäft, sagt er. Als Privatmann würde er sagen: „Das machen die Schüler schon sehr geschickt. Allerdings müssten die Schüler auch mal am Samstag demonstrieren gehen, um vor dem Staat überzeugend zu sein.“ Die Wage zwischen geschickter Provokation (Demonstration während Schulzeit) und Glaubwürdigkeit (auch mal an einem Samstag bei Wind und Wetter raus gehen) muss konstant gehalten werden. Einen Teil der Bevölkerung werden sie nur überzeugen, wenn sie auch mal außerhalb der Schule auf die Straße gehen, so der Schulleiter.

Schüler Jakob Krüger, AG-Mitglied, 11. Klasse

Als wir die AG besucht haben, waren 16 Schüler vor Ort. Für die Demo am Freitag werden Plakate wiederverwendet, die bereits für vergangene Klimaschutzaktionen angefertigt wurden, weil das umweltfreundlicher ist.

Warum ist es für Dich wichtig, sich für die Umwelt umzusetzen?

"Lets make earth great again" ist sein Motto.

Er erzählt, dass er wirklich der vollen Überzeugung sei etwas verändern zu können, seine AG sei voll motiviert (sie sind gerade dabei eine Petition auszuarbeiten und mit dem Bundesumweltamt und dem ADFC ihrer Stadt zusammen zu arbeiten, um Nachhaltigkeit in der Stadt zu fördern und ihre Kommune zu beginnen)

Warum demonstriert ihr nicht am Wochenende?

„Weil es so mehr Aufmerksamkeit bekommt.“

Er meint, sie hätten “einfach die Schulpflicht genommen und gesagt, es bringt nichts wenn wir in die Schule kommen, wenn wir keine Zukunft mehr haben.“ (Ganz nach ihrem Vorbild, die Schwedin).

Eine Bundestagsabgeordnete hätte dazu gesagt: „ einen Gewaltmonopol in die Hand nehmen“, und genau das würden die AG-Mitglieder jetzt auch tun. Durch diesen „Gewaltmonopol“, also die Schulpflicht, welche die Schüler in die Hand genommen haben, wird maximale Aufmerksamkeit auf das Problem des Klimawandels gelenkt, erklärt Jacob.

Meint ihr, dass die Politiker euch ernst nehmen?

„Manche ja, manche nein.“

Viele Politiker weniger, diese loben nur für ihr großes Arrangement. (doch das reicht Jakob nicht)

Aber sie würden auch viel positives Feedback von Politikern bekommen. Manche Politiker würden sogar ihre Unterstützung anbieten.

Viele Leute sagen: “Die wollen doch eh nur blau machen..“ , was sagst du dazu?

Jacobs Statement dazu:

Diese Demo am Freitag sei die erste von 7 Aktionen (Diskussionsrunden, Kreideaktionen etc.), die während der Schulzeit stattfindet. (Diskussionsrunden, Kreideaktionen etc.)

Sie sind also auch außerhalb der Schulzeit unterwegs und das zum größten Teil.

Hanna Weichert 11c , Hanna Wurm 11c und Lotte Wurms 11a

Warum demonstriert ihr?

Hanna Weichert: „Wir haben als Menschen das Recht für unsere Umwelt zu kämpfen und es ist das Mindeste auf das Klima zu achten und zu versuchen nachhaltig zu leben.“

Lotte Wurms: „ Wir müssen besser mit Ressourcen umgehen und ich weiß, dass wir etwas verändern können. Wir wollen zeigen, dass etwas geändert werden muss und auch die Politik dazu anregen, dies zu tun.

Warum macht Ihr das nicht in Eurer Freizeit oder am Wochenende, sondern während der Schulzeit?

Hanna Weichert: „Weil wir dadurch zeigen können, WIE wichtig es uns ist, und weil wir somit mehr Aufmerksamkeit auf unser Vorhaben ziehen können. Außerdem veranstalten wir auch Aktionen außerhalb der Schulzeit, um zu zeigen, dass es uns nicht ums schwänzen geht, sondern wirklich um den Klimaschutz. Am Freitag ist es das erste Mal, dass eine unserer Klimaschutzaktionen während der Schulzeit stattfinden.“

Nehmen Euch Politiker ernst?

Hanna Weichert: „Teils, Teils.“ Sie hat das Gefühl, dass das Thema durch den Unterrichtsausfall nun zwar mehr politische Aufmerksamkeit bekommt, allerdings bleibt aktives Handeln seitens der Politiker noch aus, da könnte noch mehr unternommen werden, wünscht sie sich. Viele Politiker würden das Problem des Klimawandels abstreiten und nicht einsehen, wie wichtig der Klimaschutz ist, sagt sie.

Was sind Eure Hoffnungen und Ziele?

Lotte Wurms: „Selber etwas zu verändern und auch andere Menschen, die sich nicht so gut mit der Thematik auskennen, aufzuklären und dazu zu inspirieren für den Klimaschutz zu kämpfen“ – „Wenn nicht jetzt- wann dann?“

Hanna Weichert: „Mir ist es wichtig, dass auch meine Kinder noch wissen, was Schnee ist und auch mal im Schnee spielen können. Deshalb gehe ich am Freitag raus und werde demonstrieren.“

Lotte Wurms: „Ich gehe am Freitag streiken, weil ich noch Grün sehen möchte, wenn ich durch die Straßen gehe und ich möchte noch glückliche Gesichter sehen, auch in noch mehr vom Klimawandel gefährdeten Orten der Welt und dass wir alle zusammenhalten!“